Diarium – taglibro

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Juni 2020

[07.06.] – Leseräume

Über Quarantäne, Covid-19 und Jeremy Benthams Disziplinargesellschaft

Mai 2020

[19.05.] – Fleischige Ansichten]

April 2020

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Ich las gerade in der FACKEL vom April 1899, wie K.K. treffend die österreichische Befindlichkeit zur Jahrhundertwende beschrieb. Noch brauchte es ein Viertel Jahrhundert, bis die abenteuerliche Sehnsucht des Kapitals auf die Futtertröge der Nachbarn zum Großen Krieg führte. Und das, was er schon in den ersten Sätzen los wird, sind präzise, adjektivierte Substantive, die ebenso auch in heutiger Zeit zu einer trefflichen Zustandsbeschreibung passten. Sag eine/r, dass dieses teutonische Land nicht an akuter Langeweile dahinsiecht. Wie früher die Monarchie.  Bis vor Kurzem noch wäre der Pegel meiner Begeisterung schon sichtlich ausgeschlagen, bei der Schilderung derer, von denen wir ansonsten lösende, klärende, angriffslustige Worte und Taten erwarten, aber von denen seit Jahrzehnten nichts kommt, als die rituelle Beschwörung ausgehöhlter Begriffe aus der Rumpelkammer einer sog. demokratischen Gesellschaft. Im Einigungsgezeder wurde sie nun völlig geplättet. Das schwarze Pulver, das rote Blut und die golden lodernde Flamme wurde zur zweitrangigen Provinzkomödie, deren Protagonisten heute mit weinerlicher Tonlage entweder alte oder neue Zeit beklagen. Wer nur seine fünf Sinne noch zusammen hat, muss sich ja schon im Schlaf vor Ängsten wälzen, weil die Stupidität des Einkaufens und die Langeweile einer Bürostube am nächsten Tag droht.

„Freudig trägt er das Odium der politischen »Gesinnungslosigkeit« auf der Stirne, die er, »unentwegt« wie nur irgendeiner von den ihren, den Clubfanatikern und Fractionsidealisten bietet.“ [K.K., Die FACKEL, April 1899]

Ihre Ideologie ist heute ebenso fade, wie in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Predigten eines Pfaffen auf der Kanzel: Umgeben von Langeweile und Beschwörungsritualen zu den Klängen der einen nationalen Hymne um Mitternacht, die einem beim Rückblick in die Geschichte das Fürchten lehrt. Nicht einmal das hat dieses Land hingebracht, eine neue des „wiedervereinigten“ Deutschland komponieren zu lassen. Hat es keine Komponisten mehr, keine Intellektuelle, denen die Komposition von Melodie und Versen anzuvertrauen wäre? Die Antwort ist ein großes Nein. Vom Konformismus mit Essnapf der Bourgeoisie korrumpiert, ist eben kein „Non consumiamo Marx“ zu erwarten.

Dieses Opus des italienischen Komponisten Luigi Nono hatte seit 2011 knapp 27000 digitale Besuche, die deutsche Symphonie von Hanns Eisler im etwas größeren Zeitraum und auf mehrere posts verteilt, gerade mal über 14000 Besuche. Ob das ein Indiz der Güte deutscher Leitkultur ist?

o5.o5.Wenn ein Instant nicht messbar wäre

In der Erzählung wurde auch ein sehr wichtiger Punkt hervorgehoben. Das Problem, das viele Schriftsteller in der DDR hatten, war nicht, dass sie gegen den Sozialismus waren.

Das Verlangen nach dem theoretisch existierenden aber nie realisierten Sozialismus gibt es auch bei Plenzdorf. In seinem neuen Leiden des jungen W. sehnt sich Edgar nach einem idealisierten Kommunismus, aber nicht die Ausführung davon, die es in der DDR gab.

Die DDR war ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern, ein Staat in dem soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Wohlstand herrschten. Es gab keine Arbeitslosigkeit und keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Niemand konnte sich auf Kosten anderer bereichern. Im Grunde genommen war die DDR der kapitalistischen BRD um eine ganze Epoche voraus.

Landeskorrespondentin Claudia van Laak war bei der Konferenz dabei. Im Deutschlandfunk fasste sie die Argumentation der AfD wie folgt zusammen: Die Partei behaupte, dass sich die damaligen Forderungen der Friedlichen Revolution im Selbstverständnis und der Programmatik der heutigen AfD spiegelten. So sage sie etwa, dass der Nationalstolz ein wichtiger Bestandteil der Friedlichen Revolution gewesen sei.

Auf der Veranstaltung trat auch die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld auf, die heute der AfD nahe steht. Claudia van Laak wies allerdings darauf hin, dass sich ein Großteil der früheren Bürgerrechtler gegen die Vereinnahmung der Friedlichen Revolution durch die AfD wehre.

Die Geschichte der DDR – so wie sie uns heute in den Massenmedien vorgeführt wird, in Filmen, Büchern, Zeitschriften und in sogenannten „wissenschaftlichen“ Veröffentlichungen, hat mit der gelebten Realität von 16 Millionen DDR-Bürgern absolut nichts zu tun.. Diese betrügerische Kampagne, die nach der Konterrevolution 1990 ins Leben gerufen wurde, geht auf einen Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Kohl zurück, die DDR als Staat zu „delegitimieren“ und als „Unrechtsstaat“ anzuschwärzen.

In der DDR wird aus dem rebellischen Volkssänger ein Staatskünstler. Die „multiple Personifizierung“ dessen, was in der DDR „40 Jahre als heilig gelten würde: Arbeiter, Revolutionär, Antifaschist, Repräsentant der deutsch-sowjetischen Freundschaft, Spanienkämpfer – mehr ging nicht.

[02.05] Mühen eines Aktivisten

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Eigentlich wollte ich einem Webinar der International Worker Party beiwohnen. Jedoch versagte ausgerechnet da die Hardware.  Den Tag über schaute ich, genügend Schlaf zu speichern, um die Nacht durchstehen zu können. Ich hatte ja hier in der Provinz nichts zu versäumen. Gut, ein Spaziergang ins Städtl wär der Verfassung gut bekommen. Aber ein Kollege, schrieb mir eine Mail, die dort, auf dem Friedhof, ein Treffen ankündigt.


Liebe Freunde,
Genossinnen und Genosssen, Kameradinnen und Kameraden, Kolleginnen und Kollegen,

Am 9. Mai wollen wir eine alte Tradition wieder aufleben lassen. Nachdem wir am 12. April an die Opfer des KZ Offenburg erinnert haben, wollen wir jetzt an die Opfer der Zwangsarbeit erinnern.

Diesmal jedoch an eine Opfergruppe, an die sehr selten gedacht wir, das sind die sowjetischen Kriegsgefangenen von denen dreieinhalb Millionen in Gefangenschaft qualvoll verhungert sind – ein unsägliches Kriegsverbrechen.


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Wer Un/Lust, Un/Zeit/, Bewusstsein hat und in der Nähe wohnt, komme: Die kurze Kundgebung wird um 11.00 Uhr am 9. Mai auf dem alten Friedhof (Weingartenfriedhof) in Offenburg, hinter dem jüdischen Friedhof beginnen.

Im Anschluss daran begeben wir uns auf den früheren Kasernenhof bei der ehemaligen Ihlefeldkaserne und treffen uns hinter dem KiK.

Dort war der Tatort.


Grüne Parteitag verabschiedet Programm zur Corona-Pandemie

oder warum ich nicht grün und rot geblieben bin

Die Grünen haben am Abend ihr Programm zum Umgang mit der Corona-Pandemie verabschiedet. Vorgesehen sind Konjunkturhilfen für die Wirtschaft im Umfang von 100 Milliarden Euro sowie ein EU-Programm von einer Billion Euro, das durch gemeinsame Anleihen finanziert wird. Das Geld soll an den Umwelt- und Klimaschutzauflagen gekoppelt werden. Die Delegierten votierten auf dem digital abgehaltenen Länderrat nahezu einstimmig für den Antrag der Parteiführung. Grünenchef Habeck sagte, man wolle den Unternehmen die Hand zur Rettung reichen. Wenn sie sie aber ergriffen, werde damit ein Pakt für Nachhaltigkeit geschlossen. Co-Chefin Baerbock forderte auf dem Parteitag, den Betrieb von Kitas und Besuche in Pflegeheimen schnell wieder zu ermöglichen. Dazu müsse es entsprechende Schutzausrüstungen und Corona-Tests geben. Die Familien und hier die Frauen trügen die Hauptlast in der Corona-Krise, sagte Baerbock. Sie würden zerrieben zwischen Homeoffice, Homework und Homeschooling. Auch die Interessen der Kinder würden von der Politik kaum berücksichtigt. (1)

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(1) Episode, Erlebnis, Trauma (?). Als Kind, gerademal im Kindergarten, war ich auf dem Nachhauseweg. Bis jetzt kannte ich auf der Straße nur Fuhrwerke, dazwischen mal ein Deutz-Bulldozer, abgewrackte Armeemotorräder und laut knatternde Lastwagen. Und einprägender als jegliche Werbung war das Bild, das sich mit dem Gefängnis als Kulisse, auf der Straße darbot. Vier Räder, die nach oben schauten mit einem Chassis, das jemand auf den Kopf gestellt hatte. Einprägend also – ich hatte bis dato noch nie einen PKW zu Gesicht bekommen und somit ein Bild, das ich heute so deute, als wäre es fürs Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige eine gelungene, mahnende Ablichtung. Das schreibe ich als einer, der nicht dabei war, sondern von einem Schupo, mit Pickelhaube, weggescheucht wurde. Nun konnte ich aber gerade soviel erhaschen, um mir (also noch ganz subjektiv/istisch) fürs zukünftige Leben Erklärbarkeit zu schaffen. Durch die Frontscheibe kroch ein Wesen, zunächst der Kopf, und als es schließlich auf den Beinen stand, hüpfte es für die erstaunten, drumherum versammelten Augen einiger Kleinstadtmenschen, ziellos auf der Straße. Eines davon hörte ich noch kreischen: „Guck Emma, da isch noch eine drin.“  Wie angesteckt stimmte die Racing Cap einen Chor mit hoch singender Stimme an: „I pay everything“, den die Pickelhaube mit sonorem Bass unterlegte: „Auseinandergehen, Hört ihr nicht, Auseinandergehen.“  

Ohne zu wissen, erhielt ich so meine erste Lektion in Sachen  Geld. Wie? Eine solche Szene, wie soll das gehen? Ich bezahle alles: Seit da wusste ich, dass es Menschen geben muss, die so reich sind, dass sie nicht Bezahlbares meinen, bezahlen zu können. Dass es von damals bis heute einen stringenten Faden gibt, kann  ich nur vermuten. Jedenfalls scheinen die Grünen das Bezahlen von Nichtbezahlbarem in ihren ökonomischen Theoremen  zu haben, wie die Magier die Herstellung von  Gold; es kann sich somit bei denen nur um eine Mutation des Racing Cap Menschen aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts handeln. Aber eingestanden, so genau kann ich das alles nicht erfassen. In Gehirn spulen die Begriffsroutinen. Im PC auch. Unter Suche „Ich bezahle alles“ spuckt er ein Ergebnis auf dieser Homepage aus. Die Suchmaschine aber ist ein Hammer: die haut mir 13 400 000 Links auf den Bildschirm und das in 49 Sek.

Im Querschnitt ist keiner brauchbar. Deshalb hasse ich die Grünen geradezu, denn wenn die was aushecken, bist du nicht gemeint. Oder doch?

April 2020

[29.4.] Die Sonne bringt es an den Tag

Die Hyperbel zur Menschheit als umfassender physischer Corpus humanum, ist einer temporären Ausgestaltung wert. Die Kenntnisse der römischen Antike ihres Microcosmos waren, was die Subjekte angeht, noch anatomischer ebenso klinischer Anfang. Es hätte sich so lesen oder anhören können:

Zwar war schon das bewegende Prinzip im Sein erkannt. Jedoch noch nicht in der Radikalität der Veränderung. Die war, dass sich der Mensch ins Anthropozän katapultierte.

[25.4.] Переводы на русский язык

Da dauert es noch eine Weile. Aber ich bin dran am Lernen. 50 Jahr zurück hätte die Motivation gefehlt. Nicht etwa wegen der sowjetischen Besetzung Ostdeutschlands, sondern aufgrund der Entwicklung des Sozialismus in der UDSSR. Die Okkyпация Ostdeutschlands durch die rote Armee hatte als Ergebnis der faschistischen Aggression immer (bis heute) meine Sympathie und Berechtigung. Und der 8. Mai ersetzte im Zuge der eigenen Biographie, alle Feiertage in diesem Land auf einmal. Warum er da bis heute (mit einer einzigen Ausnahme) kein gesetzlich verordneter ist, ist bei etwas Denkleistung wohl klar.  Die Beantwortung liest sich in ihrer historischen Entstehung so:

bis zum 8. Mai 1985: 

Bereits anlässlich des 20. Jahrestages hatte Bundeskanzler Ludwig Erhard eine Erklärung im Rundfunk und Fernsehen verlesen, in der er anlässlich des „Tag[s] der deutschen Kapitulation“ betonte, dass dem „militärischen Zusammenbruch“ ein „geistiger und moralischer Verfall vorausgegangen“ sei. Nur „wenn mit der Niederwerfung Hitler-Deutschlands Unrecht und Tyrannei aus der Welt getilgt worden wären, dann allerdings hätte die ganze Menschheit Grund genug, den 8. Mai als einen Gedenktag der Befreiung zu feiern“.[6]

Als erste Bundesregierung gab die sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt am 8. Mai 1970 eine offizielle Regierungserklärung anlässlich des 25. Jahrestages im Deutschen Bundestag ab.[4] Vertreter der CDU/CSU-Opposition versuchten dies zu verhindern und erklärten „Niederlagen feiert man nicht“ und „Schande und Schuld verdienen keine Würdigung“.[5]

ab 8. Mai 1985

Der Deutsche Bundestag veranstaltete auf hohem protokollarischem Niveau eine Gedenkstunde, in deren Zuge der Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in der Rede Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den 8. Mai als „Tag der Befreiung […] von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete.[8]

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am 8. Mai 2000: „Niemand bestreitet heute mehr ernsthaft, dass der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung gewesen ist – der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, von Völkermord und dem Grauen des Krieges.“[9]

Seit dem 8. März 2002 ist der 8. Mai im Land Mecklenburg-Vorpommern staatlicher Gedenktag als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des 2. Weltkrieges.[11] 2005 fand in Berlin anlässlich des 60. Jahrestags ein „Tag der Demokratie“ statt.

Seit 2015 ist der 8. Mai in Brandenburg offizieller Gedenktag.[12] In Berlin wird der 75. Jahrestag am 8. Mai 2020 einmalig ein gesetzlicher Feiertag sein.[13]

Zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges bekommt Brandenburg in diesem Jahr keinen zusätzlichen Feiertag. Die Linksfraktion scheiterte am Donnerstag im Landtag in Potsdam mit dem Versuch, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs einmalig zum gesetzlichen Feiertag im Land zu machen. Die übrigen Fraktionen – SPD, CDU, Grüne, AfD und Freie Wähler – stimmten dagegen. (Quelle: rbb24)

„Mit dem vorliegenden Antrag verfolgt die Fraktion Die Linke das Ziel, den früheren Gedenktag in der ehemaligen DDR wieder einzuführen. Aber dies ist unter mehreren Aspekten nicht plausibel und politisch damit nicht zu vertreten. Denn der 8. Mai 1945 war für viele Deutsche auf dem Gebiet der späteren DDR nur bedingt ein Tag der Freiheit. Denn die Gefängnisse, welche bis 1945 mit Opfern des Nationalsozialismus belegt waren, wurden später mit Kritikern des DDR-Regimes gefüllt. Von daher ist es eine berechtigte Frage, ob der 8. Mai für alle Deutschen als Tag der Befreiung zählen kann.“ [Quelle: CDU/CSU Fraktion im Bundestag –

23.) Beratung BeschlEmpf u Ber (4.A)

zum Antrag DIE LINKE.
Tag der Befreiung muss gesetzlicher Gedenktag werden

– Drs 17/58517/12908 -]“

Sich in solcher Auseinandersetzung für oder wider zu positionieren, ist mehr als problematisch – vom Standpunkt der deutschen Arbeiterklasse aus, gibt es nichts zu feiern. Sie hat in allen entscheidenden Fragen einer emanzipativen Lösung der Klassenfrage versagt. Dafür steht knallhart der 8. Mai 1945. Sie wählte 1933 die Abschaffung ihrer politischen und gewerkschaftlichen Organisationen und sie wählte den Krieg, der nicht vorstellbares Leid über die Völker der Welt brachte und sie wählte die faschistische Ordnung der Ausbeutung und Vernichtung der Menschen, mitsamt der „Endlösung“. Ein Feiertag 8. Mai als Wohlfühlkultur des individuellen schlechten Gewissens bourgeoiser Linken  (wenn überhaupt eines vorhanden ist), transportiert mehr Verdrängung als Verpflichtung. Wer braucht so einen Feiertag ??? Bleibt die Sache so wie bisher, hat man immer noch die Garantie am Massengrab sowjetischer Stalag-Arbeiter Leute zu begegnen, die evtl. ähnliche Gefühle hegen, wie man selbst.

Warum also ein gesetzlich verordneter, der trotz allen Geschreis der christlich Reaktionären, nur eine politische Instrumentalisierung in einer Entwicklung wäre, in der dieses Deutschland sich wieder einmal nach einem sonnigen Platz sehnt.

[PS: Zur DDR habe ich nur bedingt Bezug genommen, da das Arbeiter- und Bündnis der Bauern, sich nun wohl nicht so als das erfolgreiche Projekt der Emanzipation herausstellte.]

[24.4.]  Aus Friedrich Hölderlins: „Hyperion“

zum auswendig lernen in der homeschool

„So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden.
[…]

Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark […], in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit belaidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin, waren meine Tröster.
Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag‘ ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen – ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?
Ein jeder treibt das Seine, wirst du sagen, und ich sag‘ es auch. Nur muß er es mit ganzer Seele treiben, muß nicht jede Kraft in sich erstiken, wenn sie nicht gerade sich zu seinem Titel paßt, muß nicht mit dieser kargen Angst, buchstäblich heuchlerisch das, was er heißt, nur seyn, mit Ernst, mit Liebe muß er das seyn, was er ist, so lebt ein Geist in seinem Thun, und ist er in ein Fach gedrükt, wo gar der Geist nicht leben darf, so stoß ers mit Verachtung weg und lerne pflügen! Deine Deutschen aber bleiben gerne beim Nothwendigsten, und darum ist bei ihnen auch so viel Stümperarbeit und so wenig Freies, Ächterfreuliches. Doch das wäre zu verschmerzen, müßten solche Menschen nur nicht fühllos seyn für alles schöne Leben, ruhte nur nicht überall der Fluch der gottverlaßnen Unnatur auf solchem Volke. –
Die Tugenden der Alten sei’n nur glänzende Fehler, sagt‘ einmal, ich weiß nicht mehr, welche böse Zunge; und es sind doch selber ihre Fehler Tugenden, denn da noch lebt‘ ein kindlicher, ein schöner Geist, und ohne Seele war von allem, was sie thaten, nichts gethan. Die Tugenden der Deutschen aber sind ein glänzend Übel und nichts weiter; denn Nothwerk sind sie nur, aus feiger Angst, mit Sclavenmühe, dem wüsten Herzen abgedrungen, und lassen trostlos jede reine Seele, die von Schönem gern sich nährt, ach! die verwöhnt vom heiligen Zusammenklang in edleren Naturen, den Mislaut nicht erträgt, der schreiend ist in all der todten Ordnung dieser Menschen.
Ich sage dir: es ist nichts Heiliges, was nicht entheiligt, nicht zum ärmlichen Behelf herabgewürdigt ist bei diesem Volk, und was selbst unter Wilden göttlichrein sich meist erhält, das treiben diese allberechneden Barbaren, wie man so ein Handwerk treibt, und können es nicht anders, denn wo einmal ein menschlich Wesen abgerichtet ist, da dient es seinem Zwek, da sucht es seinen Nuzen, es schwärmt nicht mehr, bewahre Gott! es bleibt gesezt, und wenn es feiert und wenn es liebt und wenn es betet und selber wenn des Frühlings holdes Fest, wenn die Versöhnungszeit der Welt die Sorgen alle löst, und Unschuld zaubert in ein schuldig Herz, wenn von der Sonne warmem Strale berauscht, der Sclave seine Ketten froh vergißt und von der gottbeseelten Luft besänftiget, die Menschenfeinde friedlich, wie die Kinder, sind – wenn selbst die Raupe sich beflügelt und die Biene schwärmt, so bleibt der Deutsche doch in seinem Fach‘ und kümmert sich nicht viel ums Wetter!
Aber du wirst richten, heilige Natur! Denn wenn sie nur bescheiden wären, diese Menschen, zum Geseze sich nicht machten für die Bessern unter ihnen! wenn sie nur nicht lästerten, was sie nicht sind, und möchten sie doch lästern, wenn sie nur das Göttliche nicht höhnten! –
Oder ist nicht göttlich, was ihr höhnt und seellos nennt?
[…]

Es ist auch herzzerreißend, wenn man eure Dichter, eure Künstler sieht, und alle, die den Genius noch achten, die das Schöne lieben und es pflegen. Die Guten! Sie leben in der Welt, wie Fremdlinge im eigenen Hauße, sie sind so recht, wie der Dulder Ulyß, da er in Bettlergestalt an seiner Thüre saß, indes die unverschämten Freier im Saale lärmten und fragten, wer hat uns den Landläufer gebracht?
Voll Lieb‘ und Geist und Hoffnung wachsen seine Musenjünglinge dem deutschen Volk‘ heran; du siehst sie sieben Jahre später, und sie wandeln, wie die Schatten, still und kalt, sind, wie ein Boden, den der Feind mit Salz besäete, daß er nimmer einen Grashalm treibt; und wenn sie sprechen, wehe dem! der sie versteht, der in der stürmenden Titanenkraft, wie in ihren Proteuskünsten den Verzweiflungskampf nur sieht, den ihr gestörter Geist mit den Barbaren kämpft, mit denen er zu thun hat.
Es ist auf Erden alles unvollkommen, ist das alte Lied der Deutschen. Wenn doch einmal diesen Gottverlaßnen einer sagte, daß bei ihnen nur so unvollkommen alles ist, weil sie nichts Reines unverdorben, nichts Heiliges unbetastet lassen mit den plumpen Händen, daß bei ihnen nichts gedeiht, weil sie die Wurzel des Gedeihns, die göttliche Natur nicht achten, daß bei ihnen eigentlich das Leben schaal und sorgenschwer und übervoll von kalter stummer Zwietracht ist, weil sie den Genius verschmähn, der Kraft und Adel in ein menschlich Thun, und Heiterkeit ins Leiden und Lieb‘ und Brüderschaft den Städten und den Häußern bringt.
Und darum fürchten sie auch den Tod so sehr, und leiden, um des Austernlebens willen, alle Schmach, weil Höhers sie nicht kennen, als ihr Machwerk, das sie sich gestoppelt.
O Bellarmin! wo ein Volk das Schöne liebt, wo es den Genius in seinen Künstlern ehrt, da weht, wie die Lebensluft, ein allgemeiner Geist, da öffnet sich der scheue Sinn, der Eigendünkel schmilzt, und fromm und groß sind alle Herzen und Helden gebiert die Begeisterung. Die Heimath aller Menschen ist bei solchem Volk‘ und gerne mag der Fremde sich verweilen. Wo aber so belaidigt wird die göttliche Natur und ihre Künstler, ach! da ist des Lebens beste Lust hinweg, und jeder andre Stern ist besser, denn die Erde. Wüster immer, öder werden da die Menschen, die doch alle schöngeboren sind; der Knechtsinn wächst, mit ihm der grobe Muth, der Rausch wächst mit den Sorgen, und mit der Üppigkeit der Hunger und die Nahrungsangst; zum Fluche wird der Seegen jedes Jahrs und alle Götter fliehn.
Und wehe dem Fremdling, der aus Liebe wandert, und zu solchem Volke kömmt, und dreifach wehe dem, der, so wie ich, von großem Schmerz getrieben, ein Bettler meiner Art, zu solchem Volke kömmt! –
Genug! du kennst mich, wirst es gut aufnehmen, Bellarmin! Ich sprach in deinem Nahmen auch, ich sprach für alle, die in diesem Lande sind und leiden, wie ich dort gelitten.

[22.4.] Just in right time gelang es den angekündigten Artikel von Wu Ming zur neuen Zentralität der Working Class zu übersetzen. Übersetzen ist für mich kein technischer Vorgang, also die Beherrschung der Sprache, ihrer Grammatik, umgangssprachlichen Gepflogenheiten, das Heranziehen technischer und lexikalischer Hilfsmittel, das Aufsuchen anderer Quellen. Meistens wird es ein Ausflug in eine andere Welt. Nein, nicht doch etwa metaphysisch und verklärend. Das war einmal in Anfängen als die Generallinie der KPCh und Palmiro Togliatti zur Seite gelegt und die sonnige Halbinsel samt einem hübschen Taglöhnermädel Kopf und Sinne erwärmte. Doch nicht lange bleibt dieser Zustand, wenn die Arbeitslosigkeit im Nacken sitzt und die Leistungsgesellschaft tönt: „Entweder arbeitest Du oder zahlst den Preis für dein Nichtstun!“ Für einen Produktionsmittel losen Menschen bleibt eben nur der Verkauf seiner Arbeitskraft. Das Kellnern oder als Dattilografo, Tipografo, im schlimmsten Fall als Muratore zu arbeiten.

Nun die Aorta des Lebens spülte mich in eine der Herzkammern des europäischen Imperiums, wo die Cäsaren mit und in der Zeit wechselten und seine Stadthalter in der Rhetorik der Unterdrückung immer ausgefeilter wurden. Bei Werktätigen bringen  Krisenzeiten öfters (persönliche oder auch gesellschaftliche) Ortswechsel mit sich. Ein Teil von dir bleibt immer hängen. In Berlin das Wissen um die Geschichte des Nostitzplatz, der Barrikaden im Blutmai 1929 und der verheerenden Rolle der Sozialdemokratie bei der Unterdrückung der politischen Regungen der Arbeiter in Kreuzberg. In Asti und Casale Monferrato die Bauernmärkte, der aufkommende Neofaschismus, der populäre, den unteren Schichten „gut gesinnte“ Katholizismus. 

Und also blieb der Wind Südens

Vento del sud vento dell’allegria è l’allegria di ci non ci vuol stare chi ha voglia di rialzarsi e di cambiare e tutto questo buio che cè intorno diventa sole come a mezzogiorno

[18.4.] Es wird gesagt, dass Albert Camus Roman Die Pest augenblicklich vergriffen sei. Es ist der große Roman der französischen Résistance, den der Autor zur Zeit der deutschen Besatzung im Jahr 1941 begann, schließlich ein Jahr nach der Befreiung vom Faschismus abschloss und 1947 veröffentlichte. Er birgt alle menschlichen und sozialen Facetten einer pandemisch verlaufenden Krankheit, ohne jedoch wie heute den Optimismus ihrer technischen Besiegbarkeit zu teilen. Da der Roman als Allegorie auf Krieg und Faschismus entworfen wurde, gibt es zwar eine verblüffende wie realistische Ähnlichkeit menschlichen Verhaltens, jedoch keine reale Gleichzeitigkeit von Epidemie und gesellschaftlichem Zustand. Krieg und Faschismus bewirken in einer epidemischen Situation  entsprechende Formen und Erscheinungen menschlichen Verhaltens. Man spricht nicht umsonst von brauner Pest und den Ratten, die aus den Löchern gekrochen kommen.

Man kann es sich ja heute aussuchen, welche Phänomene derart allegorisch belegt werden. Wenn zwar auch schon bei der Pest der Zusammenhang von Gesellschaft und Epidemie eindeutig war, sprach man von ihr zumeist immer nur unter Bezugnahme auf mangelnde Hygiene. Ihr bedeutender Mäzen aber, der Krieg, ist eher separate bezuglose Erscheinung; er tritt als weiteres Unheil dazu. Pandemien und gesellschaftliche Entwicklungen, d.h. Kriege, Naturzerstörung und Abhängigkeit von einem weltumspannenden Profitsystem  entwickeln sich konkruent. In Konkruenz entwickelt sich auch die Bewusstlosigkeit über die Zusammenhänge – was die Frage, was zu tun sei, einschließt. Zu Covid-19 ist nur zu hoffen, dass uns Pater Paneloux erspart bleibt (wie es aussieht aber nicht), der predigte:

«Wenn euch heute die Pest anschaut, so deshalb, weil der Augenblick des Nachdenkens gekommen ist. Die Gerechten brauchen sich nicht davor zu fürchten, aber die Bösen haben Ursache zu zittern. In der unermeßlichen Scheuer des Weltalls wird der unerbittliche Dreschflegel das menschliche Korn dreschen, bis die Spreu vom Weizen geschieden ist. Es wird mehr Spreu geben als Weizen, mehr Berufene als Auserwählte, und dieses Unglück ist nicht von Gott gewollt. Zu lange hat diese Welt sich mit dem Bösen vertragen, zu lange hat sie sich auf das göttliche Erbarmen verlassen. Man mußte nur bereuen, dann war alles erlaubt. Und jeder war seiner Reue sicher. Wenn es darauf ankam, würde man sie gewiß empfinden. Bis dahin war es am einfachsten, wenn man sich gehen ließ, das Göttliche Erbarmen würde schon für das Übrige sorgen. Nun, das konnte nicht so weitergehen. Gott hat so lange sein Antlitz des Mitleids den Menschen dieser Stadt zugekehrt; jetzt hat er, des Wartens müde, enttäuscht in seiner ewigen Hoffnung, seinen Blick abgewandt. Des göttlichen Lichtes beraubt, sind wir jetzt für lange Zeit in die Finsternis der Pest gestürzt!» (A.Camus, Die Pest)

[15.4.] Hier ist sie also, die Stimme der Unterdrückten. Es wird ein längeres Projekt an Übersetzung und stammt aus der Feder von Wu Ming. Es geht um die neue und alte Arbeiterklasse und darum, wie sie sich in Coranazeiten, Zeiten des Ausnahmezustandes und verschärftem sozialen Ungleichgewicht wacker zu schlagen versucht. Es geht um ihre Organisierung im Kampf direkt vor Ort in den Produktionsstätten des Kapitals. Bis Anfang kommender Woche, könnte eine deutsche Übersetzung zu schaffen sein.I.Ü. ist die Rolle der DGB-Gewerkschaften in diesen Zeiten mehr als schändlich. So wie sie Schröders Hartz IV-Projekt schluckten, so schlucken sie 16 Jahre danach den Corona Notstand und werden auch in seiner Folge der Sanierung der Deutschland AG und den damit verbundenen Maßnahmen von Demokratie- und Sozialabbau zustimmen. Nicht einmal ein Rülpser der Kolleginnen.

[14.4.] Sich abarbeiten an Übersetzungen zu Covid-19. Ich hätte besseres zu tun, wenn nicht die Überzeugung wäre, dass in dieser sog. Krise mehr an Brisanz steckt als wünschenswert. Sie legt quasi die Verhältnisse klar, sowohl wie sie objektiv (be)herrschen und wie man sie in der verspürten Unwirklichkeit (A.Camus) zu begreifen versucht. Man kann ja erst reagieren, wenn man sich um das Begreifen bemüht. Viel Radius hab‘ ich dabei nicht. Das surreale der Situation verstärkt die Ohnmacht. Der Ansatz von W. Bukowski in seinem Essay, ist der politisch öffentliche Raum, der sich mit der Krise in Null auflöst. Das wäre nicht meiner, wobei die besondere Situation hierzulande, zunächst schon mal den Zweifel bestärkt, dass er vor Corona überhaupt existierte. Oder anders ausgedrückt, der politisch öffentliche Raum hat die Atomisierung der Subjekte vervollständigt und somit das Politische ins Warenregal gepackt und als Standard etikettiert.

Mit mehr als fünfzig Jahren politischem Aktivismus, marxistisch, korporatistisch, ökologisch… wird eine/r mehr als sensibel – die Antennen sind ständig in Alarmbereitschaft.  Da wirkt selbst die christlich-sozialdemokratische Rhetorik des Altenkümmerns wie die wundersame Heilung der Leprösen. Man wollte uns ja jetzt gerade beibringen, wie behütenswert wir Alten doch seien und da schlägt Corona zu und Gevatter Tod schwenkt seine Sichel in den Altenbewahranstalten. Die zusammengeschrumpfte politische Führungsmannschaft macht mit seinen Technologen und Bürokraten die Kostennutzenrechnung im Homeoffice, äußert seine Zweifel über die Durchsetzung der Brosame Mindestrente, und die Letztere entpixelt sich in der Diashow über Alte, die irgendwo auf Kreuzfahrtschiffen oder auf Flughäfen festsitzen.

Ich würde mit der Utopie beginnen, mit dem Prinzip Hoffnung, das im Spätkapitalismus, von seiner neoliberalen Version geschleift wurde. Und ich würde zunächst fragen, was ist aus der Stimme der Unterdrückten geworden, die schon Shakespeares Coriolan in die Macht der Eigeninteressen einzubinden versuchte oder mundtot machte. Wohlgemerkt den Neoliberalismus in seiner theoretischen und praktischen Konzeption gab es schon vor den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Dann kam Faschismus und Krieg, die er leidlich überlebte, um dann mit Milton Friedman den chilenischen Faschismus zu feiern und zu unterstützen.

Eine Antwort auf die Frage, was aus der Stimme wurde,  gibt einer seiner Päpste:

„In der ersten Periode, die vom Zusammenbruch der Monarchie im Herbst 1918 bis zum Herbst 1919 währte, war die wichtigste Aufgabe, die ich mir gesetzt hatte, die Verhinderung des Bolschewismus.“    (Ludwig von Mises, Erinnerungen, 1940)

Das neoliberale Werk war und ist, den öffentlichen Raum zu einem Ort  der Unwirklichkeit, des Konformismus, der marktwirtschaftlichen Privatheit verkommen zu lassen, der von der Eintrittskarte über Würstchenbude und Speiserestaurant für die Beseitigung des Politischen sorgt.

[12.4.] Die Zeit der Quarantäne ist gut. Sie ist Vielzeit, abwechslungsreich in jeder Hinsicht, sie ist Wandlungszeit. Und da man nicht zu den Eliten zählt, sind die ви́русный Geschäftsflüge von Globaldestruct.Spa rund um die Welt kein Verlust. Die Geldsäcke werden heute auch nicht am Kreuzweg Buse tun, um für die zukünftigen Sauereien Absolution zu erbitten. Ganz richtig scheint die Bemerkung nicht, denn wie man zwangsläufig nebenbei zu erfahren hat, hat sich der Heilige Vater in digitale heilige Substanz aufgelöst. Begleitet von einem Pulk Mediziner und Krankenpflegerinnen und Kameraleuten schreite er im livestreaming die Stationen des Ölbergs ab. Vatican News berichtet, dass er in der Osternacht eine Hymne auf das Leben (???) angestimmt habe. Man nennt das religiöse Dialektik: Die Welt öffnet die Pforten zur Unterwelt und die Pfaffen bimmeln noch ganz konventionell Glocken und livestreamen die Berechtigung ihres Daseins.

[9.4.] первые предложения на русском. Испанский грипп возник в конце великой войны в 1918 году. Что будет после Covid-19? 

[4.4.] Der Tag ist noch nicht zu Ende, wenn der neue sich schon dystopisch zeigt 

El dia no s’acaba quan el nou ja és distòpic – 新的反乌托邦时代已经过去了 –

[3.4.] Kuriositäten am Rande

Corona lässt keine Wahl, heißt es. Die freie Assoziation freier Menschen ist scheinbar in weite Ferne gerückt, und der konsumistische Hedonismus ist selbst auch nicht mehr seiner sicher. Man hamstert Klorollen, und hat keine Angst, nur allein mit ihnen, als Vorrat, zu verhungern, aber die, den pathologischen Ängsten nach Reinlichkeit nicht mehr genügen zu können. Im Meridione, von Bari bis ‚rüber nach Neapel aber ist, wie man hört, der Hunger schon im Anmarsch und werden sakrosankte Tempel des Konsums gestürmt.  Wenn der Magen plagt oder zumindest die Angst davor, dass er plagen könnte, bleibt der Hunger nach Wissen auf der Strecke. Da die virale Profitgesellschaft in dieser Hinsicht sowieso nichts zu bieten hat, kommt es fast aufs selbe heraus. Wissen zielt immer auf das Erlangen von Wissen hin zum freien Menschen. Die jetzige Situation festigt die Zwangsmitgliedschaft und es droht die Verfestigung der Barbarei in neuer Qualität.

Alles deutet daraufhin: „Ganz wie Emigranten, die einmal reich waren, in der Fremde oft
nach Herzenslust so geizig sind, wie sie es zu Hause schon immer gern gewesen wären, so marschieren die Verarmten im Geiste begeistert in die Hölle, die ihr Himmelreich ist.“ (Adorno, minima moralia)

[1.4.] Noch was anderes als Corona?

Istantamente No !!! – Ein Vorteil jedoch – Un vantaggio –

the crisis directs our view of capitalism in the age of neoliberalism !!!

игнорировать или принять к сведению

o cumu scrive Brecht:

mette u dito in ogni post

demandez comment il arrive ici

Neoliberalismus = International = Solidariät ?

revolucion bolivariana2

Krieg // Kampf der Nationen //  mondiale Pauperisierung

Le néolibéralisme est la négation des pensées libres du libéralisme historique !!!

només les seves crisis víriques són gratuïtes

però també els vostres propis esforços per lluitar-hi

März 2020

[23.3.] Verkehrte Bündnispolitik ?

Le discours de la chancelière Merkel mercredi dernier a inclus la conclusion que l’Allemagne n’avait pas fait face à un tel défi depuis la Seconde Guerre mondiale. Le Premier ministre espagnol Sanchez a évoqué dans le même style la guerre civile espagnole. Avec de telles déclarations des élites politiques dans les principaux pays d’Europe, les auditeurs sont libres d’interpréter. On pourrait être intéressant de connaître la réponse à la contre-question „Quel était le défi?“. Elle trahirait sûrement la phrase. De même, certains chefs d’État ont déclaré que la pandémie signifiait la guerre.

La presse allemande a louer la chancelière allemande pour ne pas avoir utilisé de tels termes martiaux. Avec ou sans le mot guerre, il est toujours tenu secret que nous sommes en guerre depuis des décennies. L’artiste de cabaret allemand Georg Schramm a parlé à un public sélectionné de la GLS Bank en 2017 que nous étions déjà en guerre. Il a souligné que ce n’était pas sa détection, mais le plan de marche de la capitale. Nul autre que Warren Buffett ne l’a trahi. Devant le public, il a cité ce monsieur, qui a fait remarquer qu’aujourd’hui „la guerre est celle des riches contre les pauvres et que les riches la gagneront“. Les Zapatistes du Chiapas (Mexique) ont parlé de la quatrième guerre mondiale déja avant des décennies. Cette guerre suit sa hiérarchie stricte et une chose est sûre: l’irrationalité du système de profit va de pair avec la crise pandémique actuelle.

[22.03.] Brief an eine Freundin

Liebe Freundin,

Danke der Nachfrage. Die Mandeln plagen nur noch mit sanftem Druck. Ich esse viel Schokoladeneis. Ansonsten gibt es keine zusätzlichen Auffälligkeiten. Schlimmer ist, was mir meine Tochter von der Intensivstation erzählt. Das sind nur noch Horrorgeschichten. Sie kam vor zwei Wochen aus Tirol vom Urlaub, doch das interessiert nicht: Kein Abstrich, keine Quarantäne, Hauptsache, sie ist arbeitsfähig mit oder ohne Virus (wer weiß es). Es gibt einige Kolleginnen, die sich bereits infizierten und der Klinikalltag legt die Mängel eines Gesundheitssystems offen, an dem diese sog. Volxparteien seit Jahrzehnten zum Schaden der Bevölkerung und zum Wohl der Profitraten rumbastelten. Im Detail hab ich mir so einiges notiert, will es aber hier nicht referieren, da die Aussichten danach noch düsterer sind, als in der momentanen Realität vorstellbar. Man bleibt also auf die Angst reduziert, ob es wohl im Falle der Ansteckung mit 73 Jahren bei Zellauflösung der Lunge noch einen erträglichen Exitus gibt (???), v.a. wenn dann bei den wenigen Betten, die Risikogruppe der Alten erst gar nicht mehr behandelt wird. Aber ich habe mehr Angst, um meine Tochter, die jetzt schon sieben Tage Schicht hat und damit rechnet, infiziert zu sein oder noch zu werden. Mit Hausarrest und Ausgangssperre ist wohl wenig getan, wenn nicht die gesamte unnötige Realökonomie stillgelegt und die sanitären Strukturen reformiert werden. Aber wer sichert die Existenz des Tauschwerts? Es werden ja schon Stimmen laut, dass im Höhepunkt der Krise, sich auch die sozialen Verhältnisse nicht mehr kontrollieren lassen. FAZ, Bild, Welt, kurz die reaktionäre Presse, macht auf Solidarität und Volksgemeinschaft und ihre Weltsicht trägt die nationalen Scheuklappen. Fragt sich mal einer ernsthaft, warum die Urlaubsidylle Itaka zum Massengrab (inklusive Mittelmeer) wird, wird man wohl, um die Analyse der neoliberalen, sozioökonomischen und politischen Entwicklung der Penisola nicht herumkommen. Hat der Untergang des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia 2012 nicht schon ahnen lassen, evtl. als Metapher späterer dystopischer Entwicklungen herhalten zu müssen? Ach wie munter sind diese hedonistischen Burgen des Profits noch vor einem Monat zielsicher durch die Weltbrühe geschlittert. Die Kleinbürger mit gutem Geldbeutel und reduziertem Verstand empfanden die Normalität des touristischen Brot und Spiele Produkts im Preis angemessen für eine schäbige Illusion im Erwachsenenlegoland. Der italienische Regisseur Federico Fellini zeichnete bereits in seinem Film Roma im Jahr 1972 diese gefährliche soziale Mischung von Kleinbürgertum und reaktionären bigottischen, wie auch klerikalen Eliten als ein einziges idiotisches Dasein ohne Spur einer sog. Vernunft. Das, was jetzt als politisches Reagenz ans Tageslicht befördert wird, ist das Hohelied des Burgfriedens aus dem vergangenen Jahrhundert, wegen der Umstände mit neuem Gewand. Und es ist die Fortsetzung der глобальный Krise von 2009. Gewerkschaften und Linke im Schweigen vertieft, als ein ausgestopfter Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief. Dabei würde man sich gerade jetzt im Zustand der Ausgangssperre deutliche Worte wünschen. Von der Gewerkschaft zum weiteren Ruin der wirklich Arbeitenden ins Präkariat, zum Schutz des Personals in den relevanten Sektoren, und von einer Linken zur Organisierung der Abwehrkräfte des gesellschaftlichen Immunsystems.

Grüße

2019

September – Settembre – Septembre

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Der Morgen ist schon recht kühl, bei Tagesanbruch stehen hier die Temperaturen nahe der Null. Seit Tagen herrscht  dennoch Spätsommerbilderbuchwetter, Geht vom Waldsaum der Blick gegen Westen übers Rheintal, bleibt das Elsass durch die Lichtbrechung verborgen. Es ist, wie es auch die Geschichte handhabt, dass dann nur wenigen vorbehalten bleibt,  etwas von dem zu erfassen, was sich im Dunst verbirgt. Durch Verminderung der Distanz werden Konturen sichtbar. Wie lässt Andrei Tarkowski einen Mönch in seinem Film Андрея Рублева, Kostantin Kostetschewski zitierend, sagen? „Man begreift den Sinn der Dinge, wenn die Definition stimmt.“  Aber woher ist zu wissen, dass die Definition stimmt? Und warum begreife ich nicht, auch wenn die Definition stimmt. So viele Fragen und auch eben so viele viele Antworten.

„Das Wissen ist dann Wert, wenn es nicht gegen die Moral verstößt… Der Mensch macht die Wissenschaft unmoralisch… Erinnerst du dich an Hiroshima?“ [Stanislav Lem, Solaris 1972]

Und das Wissen verstößt vor allem dann gegen die Moral, wenn es keinen Anlass zur fortschrittlichen Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse in sich trägt, wenn es auf Erhalt, Besitzstandwahrung, Profitmaximierung abzielt. Insofern könnte man mit Lem sagen, dass heutiges Wissen in totem unmoralisch und reaktionär ist, obgleich es auch immer noch gelingt, sich technizistisch fortschrittlich zu maskieren.  Die Definition des Klimawandels stimmt eben nur insoweit, wie sie den gesamten Rahmen des menschlichen Handels erfasst. Ich fürchte aber, dass Greta Thunbergs Bemerkung //“Die Augen aller zukünftigen Generationen sind auf euch gerichtet. Und wenn ihr uns im Stich lässt, werden wir euch niemals vergeben.„// von den Adressaten ignoriert bleiben muss.

Die Furcht liegt darin begründet, dass sie [die Adressaten] nichts anderes sind, als die 300 Holzfäller des Imperators. Auch hier stimmt die Definition, denn sie handeln  aus völlig eigennützigen Interessen entgegen der Vorwürfe, die aus den Wipfeln der Bäume in den Wäldern, die sie zerstören, an sie heran getragen werden. Und wenn sie am Ende der getanen Tat einsehen sollten, was die Konsequenz ihres Tuns bedeutete, bleibt ihnen lediglich, was die vermeintliche „Prophezeiung der Cree“ oder meinetwegen auch die von  Pasolini  beschreibt. 

Der Holzfäller des Imperators sind zu viele. 

Um die Geschichte Wu Mings zu ergänzen, endet sie damit, dass der Imperator für die Holzfäller keine Verwendung mehr hatte. Sie sitzen jetzt in Ministerien, haben Beamtenkarrieren vor- und hinter sich. Manche haben es in die Zentren der Macht geschafft, sind jetzt Strippenzieher, Zungenschnalzer, Bücklinge. Und ihren Kindern sagen sie, dass es immer so war und immer so sein wird. Es geht also nichts vorwärts von Fall zu Fall.

Es ist also nicht verwunderlich, dass nunmehr die Kids der Holzfäller nach den Schweinereien fragen, die auf die Arbeits- und Lebensverhältnisse ihrer Eltern zurückzuführen sind. Die, die alles Leben gibt, ist durchlöchert, vergiftet, vermüllt und als könnten sie kein Wässerchen trüben, behaupten die Erwachsenen:  „Wir haben alle nur unsere Pflicht getan!“ – was immer Elterngenerationen behaupteten, gleich welche Verbrechen sie im Namen dieses oder jenes Imperators begingen.

Es ist das Privileg der Kids, jenseits von Schuld und Sühne, die Erwachsenenwelt zu ermahnen, ihr destruktives Verhalten einzustellen. Dass die sich biegen und winden wird, ist weder eine Frage der Moral, noch der Einsicht. Und sie ist jetzt schon zuversichtlich, dass genügend aufgestellte Fallen ausreichen.