Diarium

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April 2020

[4.4.] Der Tag ist noch nicht zu Ende, wenn der neue sich schon dystopisch zeigt 

El dia no s’acaba quan el nou ja és distòpic – 新的反乌托邦时代已经过去了 –

 

 

[3.4.] Kuriositäten am Rande

Corona lässt keine Wahl, heißt es. Die freie Assoziation freier Menschen ist scheinbar in weite Ferne gerückt, und der konsumistische Hedonismus ist selbst auch nicht mehr seiner sicher. Man hamstert Klorollen, nicht aus Angst, nur allein mit ihnen, als Vorrat, zu verhungern, sondern den pathologischen Ängsten nach Reinlichkeit nicht mehr genügen zu können. Im Meridione, von Bari bis ‚rüber nach Neapel aber ist, wie man hört, der Hunger schon im Anmarsch und werden sakrosankte Tempel des Konsums gestürmt.  Wenn der Magen plagt oder zumindest die Angst davor, dass er plagen könnte, bleibt der Hunger nach Wissen auf der Strecke. Da die virale Profitgesellschaft in dieser Hinsicht sowieso nichts zu bieten hat, kommt es fast aufs selbe heraus. Wissen zielt immer auf das Erlangen von Wissen hin zum freien Menschen. Die jetzige Situation festigt die Zwangsmitgliedschaft und es droht die Verfestigung der Barbarei in neuer Qualität.

Alles deutet daraufhin: „Ganz wie Emigranten, die einmal reich waren, in der Fremde oft
nach Herzenslust so geizig sind, wie sie es zu Hause schon immer gern gewesen wären, so marschieren die Verarmten im Geiste begeistert in die Hölle, die ihr Himmelreich ist.“ (Adorno, minima moralia)

[1.4.] Noch was anderes als Corona?

Istantamente No !!! – Ein Vorteil jedoch – Un vantaggio –

the crisis directs our view of capitalism in the age of neoliberalism !!!

игнорировать или принять к сведению

o cumu scrive Brecht:

mette u dito in ogni post

demandez comment il arrive ici

Neoliberalismus = International = Solidariät ?

revolucion bolivariana2

Krieg // Kampf der Nationen //  mondiale Pauperisierung

Le néolibéralisme est la négation des pensées libres du libéralisme historique !!!

només les seves crisis víriques són gratuïtes

però també els vostres propis esforços per lluitar-hi

März 2020

 

[23.3.] Verkehrte Bündnispolitik ?

Le discours de la chancelière Merkel mercredi dernier a inclus la conclusion que l’Allemagne n’avait pas fait face à un tel défi depuis la Seconde Guerre mondiale. Le Premier ministre espagnol Sanchez a évoqué dans le même style la guerre civile espagnole. Avec de telles déclarations des élites politiques dans les principaux pays d’Europe, les auditeurs sont libres d’interpréter. On pourrait être intéressant de connaître la réponse à la contre-question „Quel était le défi?“. Elle trahirait sûrement la phrase. De même, certains chefs d’État ont déclaré que la pandémie signifiait la guerre.

La presse allemande a louer la chancelière allemande pour ne pas avoir utilisé de tels termes martiaux. Avec ou sans le mot guerre, il est toujours tenu secret que nous sommes en guerre depuis des décennies. L’artiste de cabaret allemand Georg Schramm a parlé à un public sélectionné de la GLS Bank en 2017 que nous étions déjà en guerre. Il a souligné que ce n’était pas sa détection, mais le plan de marche de la capitale. Nul autre que Warren Buffett ne l’a trahi. Devant le public, il a cité ce monsieur, qui a fait remarquer qu’aujourd’hui „la guerre est celle des riches contre les pauvres et que les riches la gagneront“. Les Zapatistes du Chiapas (Mexique) ont parlé de la quatrième guerre mondiale déja avant des décennies. Cette guerre suit sa hiérarchie stricte et une chose est sûre: l’irrationalité du système de profit va de pair avec la crise pandémique actuelle.

[22.03.] Brief an eine Freundin

Liebe Freundin,

Danke der Nachfrage. Die Mandeln plagen nur noch mit sanftem Druck. Ich esse viel Schokoladeneis. Ansonsten gibt es keine zusätzlichen Auffälligkeiten. Schlimmer ist, was mir meine Tochter von der Intensivstation erzählt. Das sind nur noch Horrorgeschichten. Sie kam vor zwei Wochen aus Tirol vom Urlaub, doch das interessiert nicht: Kein Abstrich, keine Quarantäne, Hauptsache, sie ist arbeitsfähig mit oder ohne Virus (wer weiß es). Es gibt einige Kolleginnen, die sich bereits infizierten und der Klinikalltag legt die Mängel eines Gesundheitssystems offen, an dem diese sog. Volxparteien seit Jahrzehnten zum Schaden der Bevölkerung und zum Wohl der Profitraten rumbastelten. Im Detail hab ich mir so einiges notiert, will es aber hier nicht referieren, da die Aussichten danach noch düsterer sind, als in der momentanen Realität vorstellbar. Man bleibt also auf die Angst reduziert, ob es wohl im Falle der Ansteckung mit 73 Jahren bei Zellauflösung der Lunge noch einen erträglichen Exitus gibt (???), v.a. wenn dann bei den wenigen Betten, die Risikogruppe der Alten erst gar nicht mehr behandelt wird. Aber ich habe mehr Angst, um meine Tochter, die jetzt schon sieben Tage Schicht hat und damit rechnet, infiziert zu sein oder noch zu werden. Mit Hausarrest und Ausgangssperre ist wohl wenig getan, wenn nicht die gesamte unnötige Realökonomie stillgelegt und die sanitären Strukturen reformiert werden. Aber wer sichert die Existenz des Tauschwerts? Es werden ja schon Stimmen laut, dass im Höhepunkt der Krise, sich auch die sozialen Verhältnisse nicht mehr kontrollieren lassen. FAZ, Bild, Welt, kurz die reaktionäre Presse, macht auf Solidarität und Volksgemeinschaft und ihre Weltsicht trägt die nationalen Scheuklappen. Fragt sich mal einer ernsthaft, warum die Urlaubsidylle Itaka zum Massengrab (inklusive Mittelmeer) wird, wird man wohl, um die Analyse der neoliberalen, sozioökonomischen und politischen Entwicklung der Penisola nicht herumkommen. Hat der Untergang des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia 2012 nicht schon ahnen lassen, evtl. als Metapher späterer dystopischer Entwicklungen herhalten zu müssen? Ach wie munter sind diese hedonistischen Burgen des Profits noch vor einem Monat zielsicher durch die Weltbrühe geschlittert. Die Kleinbürger mit gutem Geldbeutel und reduziertem Verstand empfanden die Normalität des touristischen Brot und Spiele Produkts im Preis angemessen für eine schäbige Illusion im Erwachsenenlegoland. Der italienische Regisseur Federico Fellini zeichnete bereits in seinem Film Roma im Jahr 1972 diese gefährliche soziale Mischung von Kleinbürgertum und reaktionären bigottischen, wie auch klerikalen Eliten als ein einziges idiotisches Dasein ohne Spur einer sog. Vernunft. Das, was jetzt als politisches Reagenz ans Tageslicht befördert wird, ist das Hohelied des Burgfriedens aus dem vergangenen Jahrhundert, wegen der Umstände mit neuem Gewand. Und es ist die Fortsetzung der глобальный Krise von 2009. Gewerkschaften und Linke im Schweigen vertieft, als ein ausgestopfter Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief. Dabei würde man sich gerade jetzt im Zustand der Ausgangssperre deutliche Worte wünschen. Von der Gewerkschaft zum weiteren Ruin der wirklich Arbeitenden ins Präkariat, zum Schutz des Personals in den relevanten Sektoren, und von einer Linken zur Organisierung der Abwehrkräfte des gesellschaftlichen Immunsystems.

Grüße

 

2019

September – Settembre – Septembre

cropped-bio1-e1546290838601.jpgDer Morgen ist schon recht kühl, bei Tagesanbruch stehen hier die Temperaturen nahe der Null. Seit Tagen herrscht  dennoch Spätsommerbilderbuchwetter, Geht vom Waldsaum der Blick gegen Westen übers Rheintal, bleibt das Elsass durch die Lichtbrechung verborgen. Es ist, wie es auch die Geschichte handhabt, dass dann nur wenigen vorbehalten bleibt,  etwas von dem zu erfassen, was sich im Dunst verbirgt. Durch Verminderung der Distanz werden Konturen sichtbar. Wie lässt Andrei Tarkowski einen Mönch in seinem Film Андрея Рублева, Kostantin Kostetschewski zitierend, sagen? „Man begreift den Sinn der Dinge, wenn die Definition stimmt.“  Aber woher ist zu wissen, dass die Definition stimmt? Und warum begreife ich nicht, auch wenn die Definition stimmt. So viele Fragen und auch eben so viele viele Antworten.

„Das Wissen ist dann Wert, wenn es nicht gegen die Moral verstößt… Der Mensch macht die Wissenschaft unmoralisch… Erinnerst du dich an Hiroshima?“ [Stanislav Lem, Solaris 1972]

 

Und das Wissen verstößt vor allem dann gegen die Moral, wenn es keinen Anlass zur fortschrittlichen Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse in sich trägt, wenn es auf Erhalt, Besitzstandwahrung, Profitmaximierung abzielt. Insofern könnte man mit Lem sagen, dass heutiges Wissen in totem unmoralisch und reaktionär ist, obgleich es auch immer noch gelingt, sich technizistisch fortschrittlich zu maskieren.  Die Definition des Klimawandels stimmt eben nur insoweit, wie sie den gesamten Rahmen des menschlichen Handels erfasst. Ich fürchte aber, dass Greta Thunbergs Bemerkung //“Die Augen aller zukünftigen Generationen sind auf euch gerichtet. Und wenn ihr uns im Stich lässt, werden wir euch niemals vergeben.„// von den Adressaten ignoriert bleiben muss.

Die Furcht liegt darin begründet, dass sie [die Adressaten] nichts anderes sind, als die 300 Holzfäller des Imperators. Auch hier stimmt die Definition, denn sie handeln  aus völlig eigennützigen Interessen entgegen der Vorwürfe, die aus den Wipfeln der Bäume in den Wäldern, die sie zerstören, an sie heran getragen werden. Und wenn sie am Ende der getanen Tat einsehen sollten, was die Konsequenz ihres Tuns bedeutete, bleibt ihnen lediglich, was die vermeintliche „Prophezeiung der Cree“ oder meinetwegen auch die von  Pasolini  beschreibt. 

 

Der Holzfäller des Imperators sind zu viele. 

Um die Geschichte Wu Mings zu ergänzen, endet sie damit, dass der Imperator für die Holzfäller keine Verwendung mehr hatte. Sie sitzen jetzt in Ministerien, haben Beamtenkarrieren vor- und hinter sich. Manche haben es in die Zentren der Macht geschafft, sind jetzt Strippenzieher, Zungenschnalzer, Bücklinge. Und ihren Kindern sagen sie, dass es immer so war und immer so sein wird. Es geht also nichts vorwärts von Fall zu Fall.

Es ist also nicht verwunderlich, dass nunmehr die Kids der Holzfäller nach den Schweinereien fragen, die auf die Arbeits- und Lebensverhältnisse ihrer Eltern zurückzuführen sind. Die, die alles Leben gibt, ist durchlöchert, vergiftet, vermüllt und als könnten sie kein Wässerchen trüben, behaupten die Erwachsenen:  „Wir haben alle nur unsere Pflicht getan!“ – was immer Elterngenerationen behaupteten, gleich welche Verbrechen sie im Namen dieses oder jenes Imperators begingen.

 

Es ist das Privileg der Kids, jenseits von Schuld und Sühne, die Erwachsenenwelt zu ermahnen, ihr destruktives Verhalten einzustellen. Dass die sich biegen und winden wird, ist weder eine Frage der Moral, noch der Einsicht. Und sie ist jetzt schon zuversichtlich, dass genügend aufgestellte Fallen ausreichen.