Diarium

 

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Mi, 31.10.2018 – Über Ideen, Nachrichten und Ansichten

In vergangenen Zeiten warteten gute wie schlechte Ereignisse Wochen, Monate, Jahre darauf, verbreitet zu werden. Der Zufall, die Nachricht zu erfahren, war davon abhängig, ob man dem Emissär begegnete oder ob seine Nachricht nicht etwa irgendwo da draußen vor der Tür mit ins kühle Grab genommen wurde. Ein Mercante delle stampe proibite brauchte Glück, Mut und Überzeugung, um die auf dem katholischen Index stehenden Schriften eines gewissen Giordano Bruno, über den Alpenpass in den Norden zu bringen. Es wäre jedenfalls einer Recherche nicht Wert festzustellen, wann man dort und wie im Teutonenland erfuhr, dass er Anno 1600, den 17. Februar in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, denn man war in dieser Zeit selbst mit Ketzerei und Judenverfolgung beschäftigt. Carlo Levi, der antifaschistische Schriftsteller und Mediziner aus Turin, wurde unter Mussolini nach Grassano verbannt und beschreibt in seinem Roman Cristo si è fermato a Eboli, was er dort erlebte. Verbannt wurde er 1935, sein Roman erschien nach dem 2. Weltkrieg 1945 bei Einaudi.

Heute verbreiten sich Nachrichten schneller als der Wind. Die Schwierigkeit besteht darin, zu erfahren, dass sie sich ereigneten. Ja, u.U. erfährt man sie nie und nimmt sie also auch nicht mit ins kühle Grab. Da draußen vor der Tür! Vielleicht erfährt man auch nie von Domenico Lucano, dem Bürgermeister von Riace. der zwar verbannt aber nicht verbrannt wurde.

Giordano Bruno, sah das Universum als ein Unendliches auf alle Ewigkeit, in dem das Eiapopaia vom Himmel und die Angst vorm Jüngsten Gericht nicht passte. Er wurde verbrannt aber nicht verbannt. Carlo Levi sah durchaus Vorzüge darin, dass Christus nicht in die bäuerliche Welt der Lukanier kam. Und sein libertärer, offener, intellektueller Charakter wurde ihm zum faschistischen Verhängnis.  Er wurde aus dem Norden Italiens in den Süden nach Grassano verbannt, aber nicht verbrannt.

Domenico Lucano, man sollte sich diesen Namen in unserer Zeit merken, wird auf Anweisung  des Magistrats von Locri aus Riace verbannt, die übrige Welt sei ihm unbenommen. Er war doch der Ansicht, dass eine andere Welt möglich sei.

Warum also?

Zur Beantwortung der Frage:

https://www.tagesschau.de/ausland/riace-buergermeister-101.html

https://fhecker.me/2018/10/31/un-altro-mondo-e-possibile/#more-7909