Gilets Jaunes: Der Ansturm unterm Himmel von Paris

Ein  Beitrag von: logoinfoaut


Original:

Gilet gialli, acte XVIII: all’assalto del cielo


Nach Macrons großer Debatte mit ausgewählten Vertretern des französischen Volks, prognostizierten die Herrschaftsmedien das gemächliche Ende der Gilets Jaunes – Bewegung. Die Kommentierung der Ereignisse zeigt nach Acte XVIII nun wieder unversöhnlichere Töne.


Samedi 16 Mars, “retours aux bases pour une nouvelle phase” (für eine neue Phase zurück zu den Ursprüngen)   

Für diesen achtzehnten Akt haben die Gilets Jaunes die gesamte französische Bevölkerung aufgefordert, der Regierung ein entscheidendes „Ultimatum“ zu stellen; der „Angriff auf den Himmel“ findet sich in den zahlreichen Appellen mit dem Ziel wieder, Makron zu ersetzen.

Seit dem 17. November 2018 gab es siebzehn Akte, siebzehn Samstage mit Blockaden, Demonstrationen und Unruhen, vier Monate lang soziale Konflikte mit Entschlossenheit und ein beispielloser Machtapparat der Repression.. Für diesen 16. März, der als Samstag „anders“ als die anderen angekündigt wurde, waren die Termine des Tages unzählig und lagen in verschiedenen Teilen der Stadt, darunter zwei große nationale Demonstrationen, gegen polizeiliche Gewalt und Rassismus des Staates und zur Klimakatastrophe.

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Schon in den frühen Morgenstunden strömten tausende Demonstranten in die Champs Élysée. Sie kamen von den vier, in den Vierteln ausgewiesenen Sammelpunkten: dem Gard du Nord, dem Gard de St.Lazare, von Châtelet und Montparnasse.

Den Sicherheitsvorkehrungen bewirkten, den größten Teil des Caos auf den Champs und ihrer Umgebung, durch ein massives Polizeiaufgebot am Straßenrand zu verringern.

Die Zusammenstöße begannen gegen 11 Uhr, als drei Gendarmeriefahrzeuge ins Visier genommen und an der Zufahrt zur Allee gehindert wurden.  Von diesem Moment an, fast acht Stunden lang, standen Yellow Vests und Black K-way der Polizei, mit Austausch von Kopfsteinpflaster und Granaten gegenüber. In den folgenden Stunden ist, wie nie zuvor zum Ruf „und Macron wird zahlen“ in fast allen Geschäften und Boutiquen geplündert worden. Einige Banken wurden in Brand gesteckt, ebenso wie das symbolisch wichtige Ziel, das Luxusrestaurant „Fouquet’s“, wo 2007 Sarkozy seinen Sieg mit einem privaten Abendessen feierte.

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Trotz des starken Aufgebots der Sicherheitskräfte und des vorgeschriebenen Gebietes,  konnte die Polizei mehrmals nicht eingreifen, denn im Grunde genommen waren alle an dem Aufstand beteiligt. Niemand hat die Nase gerümpft, oder gemeint, sich distanzieren zu müssen oder bei den Zusammenstößen mit der Polizei, den Plünderungen und bei der Zerstörung von Luxusgeschäften einzugreifen. Im Gegenteil, jede Aktion wurde von Chören begleitet und mit Begeisterung gefeiert.

Mit dieser kompakten Komposition ist die Pariser Luxusstraße, trotz der unterschiedlichsten Subjektivitäten zum Symbol einer neuen Macht geworden, die in einem weiteren politischen Sprung der Bewegung, wiederentdeckt wurde: Die polizeiliche Gewalt hat ein Niveau erreicht, das keinen Raum für Dissoziation lässt, die Naivität gegen den repressiven Staatsapparat ist (fast) vollständig verschwunden und damit auch das Prinzip des Pazifismus.

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Die Bilanz des Tages sind etwa zweihundert Festnahmen und Dutzende von Verwundeten, aber die grundlegende Tatsache ist, dass es nach achtzehn Wochen immer noch dieses Ausmaß an Konfliktbereitschaft gibt, sowie eine fortschreitende Radikalisierung der Bewegung, die Monat für Monat das Bewusstsein gewinnt, dass sich der „Kampf lohnt“(„Wir wurden uns bewusst, dass wir nur dann gehört werden, wenn Dinge zu Bruch gehen“, titelte ein beunruhigendes Zitat in Le Monde, die Stimmen der Gilets einsammelte). Kann dieser Samstag für die Westen ein weiteres Sprungbrett für den Beginn einer neuen politischen und strategischen Phase sein? Auf jeden Fall hat Macrons Versuch, die politische Krise mit seiner Grand Débat (der großen Debatte) durch Plaudern zu lösen, endgültig Schiffbruch erlitten.

Heute versuchen Regierung wie Medien die kollektive Realität mit einer offiziellen „Wahrheit“ zu übertünchen. Es wird von Einführung des Ausnahmezustands gesprochen, dass jede Demonstration auf den Champs Élysée verboten werden soll, dass die Macht der Polizei weiter ausgebaut werden muss. Sie wollen Glauben machen, dass die Revolte von infiltrierten, vom Rande agierenden Black Block angeheizt wurde.

Das ist jedoch eine schwache Erzählung, die niemand, nicht einmal die Spitzen des Staates glauben. Die Wirklichkeit in Frankreich ist die enorme, brennende, einmütig geteilte Wut.

„Wer sich nicht am Kampf beteiligt, betreibt seine Niederlage!“

siehe auch Beitrag + Video: Jilets Jaunes Acte XVIII: Bürger-Manifest

Übersetzung FHecker

 

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