Mellusu a du fuliai che a si du fai furai

 

Besser wir schütten es weg, als uns beklauen zu lassen

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Non si ruba sul latte versato

Abertausende Liter Schafsmilch landen auf den Äckern, anstatt in den industriellen Molkereien. Letztere sind es, die den Preis der Milch zuungunsten der sardischen Schäfer bestimmen …

Migliaia e migliaia di litri di latte ovino dispersi nei campi pur di non versarlo ai caseifici industriali che regolano il prezzo del latte mettendo sul lastrico 16 mila pastori sardi. Un movimento di sciopero e sabotaggio capillare e radicale che spinge più in là le lotte dei pastori puntando il dito sui padroni.


… Die Bewegung der Hirten ist engmaschig und radikal, und sie treibt die Kämpfe der Hirten voran, indem sie mit dem Finger auf die Padroni zeigt.


Weggeschüttete Milch kann nicht geklaut werden

Es ist Mittwochmorgen. Gegen 9 Uhr 30 ist ein Milchwagen der Molkerei zu den Schäfereien von Campidano di Caglieri  unterwegs. Er fährt durch die Felder zwischen Vallacidro und Serramanna, nahe der Ortschaft Giana. Der Milchtank ist vollgefüllt. Unerwartet tauchen zwei Männer auf. Ihr Gesicht ist vermummt und sie haben Stöcke bei sich. Sie stoppen das Fahrzeug und zwingen den Fahrer auszusteigen. Sie schüchtern ihn ein, damit er den Hahn des Milchtanks öffnet. „Cumenti?“ – Wie?. Der Fahrer hat richtig verstanden. Er muss die zehntausend Liter Milch in seinem Tank auf die umliegenden Felder verteilen.  Die Szene muss er mit seinem Handy filmen, in Whats App veröffentlichen und v.a. an seinen Prinzipal. Signor Argiolas, in der gleichnamigen industriellen Molkerei schicken.

Für die Schweine

„Ein mafiöser Akt“, sagen die Carabinieri, die zum Vorfall die Untersuchungen führen. Noch nicht einmal der Sprecher einer Gruppe von Hirten, die am Sonntag zuvor den Verkehr der Staatsstraßen 196 und 293 mit einem Sit-in blockierten, um eine Preiserhöhung für Schafsmilch zu fordern, machte irgendwelche Anstalten, sich von der Aktion zu distanzieren. Am Nachmittag häufen sich dann die Videos der Schäfer, zuerst nur ein paar Dutzend, dann aber hunderte von gefilmten Szenen. Sie zeigen die Hirten mit ihrer eigenen Schafzucht, wo sie die, mit noch nicht ausgelieferter,  gerade gemolkener Milch, vollgefüllten Kühlaggregate auf den Boden entleeren:

… a sa bassa o a is proccus ma a bosatrus nono!

„In den Graben damit, oder für die Schweine …, nichts aber für euch, nichts für die Industriellen.“ Es braucht nur wenige Stunden, der Protest hat sich noch einmal im ganzen Süden ausgebreitet, und schon erfasst er die Schäfer auf der gesamten Insel. Die Auseinandersetzung um den Preis ist an einem Punkt angekommen, sodass es kein Zurück mehr gibt.

„Man zahlt uns praktisch für die Milch 50/60 Cents, wie’s weitergeht, weiß man nicht. Eher als sie den Maschinen zu überlassen, haben wir die Absicht, die Kette der Molkereien zu blockieren. Zumindest einige Tage wollen wir die Milch wegschütten. Bei diesem Preis kann es nicht so weitergehen. Praktisch legen wir drauf. Ein Liter kosten uns 50 Cents und uns zahlen sie 60 oder 55 Cents. Da verdienen wir nichts.“

Ein Molkereikartell regelt den Milchpreis. Sechzehntausend Farmen mit 3.301.837 Tieren liefern Milch an nicht mehr als fünf Molkereien, die sie verarbeiten. Die „Industriellen“ sind zumeist ehemalige Inhaber von Farmen, denen es gelungen ist, Kapital zu akkumulieren, um in Maschinen der zur Verarbeitung, Zisternen, Transporter zu investieren. Eine industrielle Marktkette bestimmt also den Preis ihres Rohstoffs. Aber was wird durchschnittlich verdient, wenn der Schafskäse pro Kilo weitaus mehr kostet, wie anteilig für die Milch bezahlt wird?

„Die Milch wird dieses Jahr mit 60 Cents vergütet. Letztes Jahr waren es 80. Einen Liter Milch zu produzieren, kostet den Schäfer ca. 50 Cents. Berücksichtigt man, dass Schafsmilch hauptsächlich zur Käseproduktion bestimmt ist. So kaufen also die Industriellen für 60 Cents pro Liter ein und machen daraus Käse. Aber für wie viel verkaufen sie nun den Käse? Sehr teuer. Wir sprechen über Leute vom Schlag Auricchio, Cao Formaggi, Caseificio Pinna, Caseificio Argiolas”.

Es ist also genaugenommen das Missverhältnis der Gewinne einiger weniger Industrieller und der großen Anzahl von Schäfern, welches die Wut explodieren ließ. Man sieht wie andere aus der eigenen Arbeit Gewinn ziehen. Man registriert, wie man ausgebeutet wird.

Rekonstruieren wir die Kette rückwärts: von der Ware zum geheimen Laboratorium ihrer Produktion bis zur nicht bezahlten Arbeit. Man erhält nicht einmal so viel, um von der Arbeit leben zu können.

„Der die Milch verarbeitende Industrielle bezahlt 60 Cents und verkauft direkt. Der Bezugspunkt für den Milchpreis ist der Pecorino romano (sein Wert pro kg). Aber der Pecorino Sardo hat einen anderen Wert, wenn er verkauft wird. So ist die Gewinnspanne noch höher. 10 kg Milch ergeben zwei kg Käse. Werden sie von dem Käseproduzenten zu 10 € das Kilo verkauft, macht er 20 € bei einem Kostenanteil der Milch von 6 €. Der Industrielle macht seinen Gewinn, weil er den Rohstoff zu niedrigem Preis einkauft, ihn verarbeitet und so die Wertschöpfung, der zu Käse verarbeiteten Milch, erhöht. Und von daher bereichert er sich an uns. Der auslösende Funke brachte Whats app, wo sie sich vernetzten, und diskutierten … und mehr als einmal trafen sie sich in irgendeinem Dorf.“

Der Schäfer arbeitet allein: er weidet allein, er melkt allein.

„Früher, als die Preise noch höher waren, versuchten manche zu einem günstigen Preis zu verkaufen oder vermischten mit der billigeren Ziegenmilch. Unter uns waren wir im Krieg miteinander. Dann kam aber der Preisverfall. Und als wir die Milch ablieferten, hatten wir alle das gleiche Problem. Doch beim Ausliefern trifft man sich und redet miteinander. So sind die Whatsapp Gruppen der lokalen Schäfer entstanden.“

[Video: Protest der sardischen Schäfer, die Milch wird in den Abguss entleert.]

Eine neue Generation der Schafzüchter

Diese junge Generation der Schäfer weiß zu kämpfen. Ihr Handwerk haben sie von den Vätern übernommen, zumeist auch ihre Schulden. Letzteres, weil ihre Väter sich durch Schulden über Wasser hielten, um die Pacht oder eine Melkmaschine zu bezahlen. Für diese jungen Schäfer ist es heute unmöglich geworden,  ohne finanzielle Garantien an Kredite heranzukommen. Diesen Beruf machen sie ein wenig aus Liebe und ein wenig aus Verdammnis. Er ist nicht etwas, das man einfach so hinwerfen kann. Die Herde muss jeden Tag von morgens bis abends gehütet werden, ob bei 40 Grad Hitze oder bei Schnee. Feiertage gibt es nicht. Da bleibt nur wenig vom idyllischen Bild. Natur, Arbeit und Konsum der eigenen Mühen sind lediglich zusammengebraute Bruchstücke um die alleinige Existenz herum. Sie versucht, verzweifelt an einer menschlichen Erfahrung festzuhalten, trotz der gesellschaftlich stabilisierten Trennung von Arbeit und Konsum und trotz der Verallgemeinerung der Warengesellschaft. Manchmal kann der Schäfer nicht einmal die Herde sein eigen nennen. Er ist dann der Dienstschäfer des Industriellen, der die gemolkene Milch verarbeitet, welche die verpachtete Herde liefert. Zumeist ist der Schäfer jedoch Inhaber einer Azienda. Er muss und kann nur zu Marktbedingungen produzieren. Er ist mit seinen Tieren nicht mehr allein unter dem Himmel, sondern ist nunmehr allein unter anderen Konkurrenten. Sein Handeln entspricht dem eines Individualunternehmens, das im Wettbewerb mit den anderen Schafzüchtern steht. Er muss sich den Padroni unterwerfen, weil sie die Maschine haben, die sein Produkt verarbeiten, und weil sie den Markt und den Preis seines Schweißes regeln.

Diese jungen Schäfer haben Geschwister, die zur Schule gingen oder zumindest eine Alternative in der Stadt oder auf dem Festland suchten. Aber einer muss bleiben, um die Azienda weiterzuführen: Ragazzi des Jahrgangs ’95, ’96 oder ’97. Von den Organisationen der Schäfer, die ihre Väter vertraten und einigten, wissen sie nicht viel. Die Kämpfe des Movimento Pastori Sardi [MPS: Bewegung sardischer Schäfer, d.Ü.] zeigten die Kraft der Schäfer, die mit der Zeit durch die Regionalpolitik und ihren Versprechungen zermürbt wurde. Felice Floris, ihr schon historischer Anführer aus Siliqua [siehe auch Corriere della Sera: Chi è Felice Floris?], hat die Bewegung über die Jahre hindurch geleitet, und er stand vor der Schwierigkeit, die wachsende Unzufriedenheit in den Griff zu bekommen.

Zuerst trennten sich ganze örtliche Vertretungen der Schäfer, wie die Schafzüchter der Baronia,  vom MPS. Im Innern gab es dann Spannungen über eine politische Linie, die sich zu sehr an die Regionalpolitik wandte, um den zu niedrigen Milchpreis zu kompensieren. Die dadurch entstandene Abhängigkeit von einer, dem Markt gegenüber ohnmächtigen Politik, zersetzte zusehends die Konfliktautonomie der Bewegung. Der MPS hat zwar immer gedroht, jedoch nie die Auseinandersetzung mit den Molkereibesitzern organisiert. Im Gegenteil betrieb er Mediation zwischen deren Interessen und denen der Schäfer:

„Die Differenzen zum MPS bestehen darin, dass er immer nur auf die Region eindrischt. Es gibt da ja auch noch Industrielle wie Pinna, die eine Milchpreiserhöhung auf einen Euro wollen. Sie wollen sie über die Einbeziehung regionaler Fonds finanzieren. Ich tippe mal, dass die Region, sagen wir 30 Cents, dem Verarbeiter, also dem Industriellen, nicht dem Schäfer geben wird. Jetzt schütten sie die Milch weg und die MPS sitzt in der Scheiße, weil sie wie die Gewerkschaften sind und der Industrielle steht ohne Milch da.“

Heute drückt Felice Floris sein Bedauern über die weggeschüttete Milch aus. Er verurteilt aber nicht die Wut der Schäfer. Die neue Generation vereinigt in sich die die Entschlossensten im Ziel, die Industriellen anzugreifen.

 [Video eines Schäfers, der sich gegen die Kritik an ihren Aktionen wehrt.]

Sciopero – Der Streik

Einige sprechen ausdrücklich von „Streik“. Der Beruf des Schäfers ist völlig industrialisiert: Vom Melken der Tiere über die Maschinen entsteht eine Produktionskette, welche die Arbeit in Warenform verdichtet. Jedoch zu Marktbedingungen zu arbeiten, ist nicht mehr vorteilhaft. Die Milch wird nicht einmal zu ihren Produktionskosten bezahlt und das bedeutet für den Lohn des letzten Arbeiters in einer als Unternehmen organisierten  und agierenden Produktionskette: Die großen Marken, die Milchverarbeiter, die an Produktionsmitteln und Kapital gut ausgestattet sind, erstatten nicht einmal die Reproduktionskosten des Arbeiters. Streik ist Arbeitsverweigerung, um die Verwertung des Kapitals zu sabotieren und die Arbeitskosten zu erhöhen. Zu diesen Bedingungen zu produzieren, macht nur die Industriellen reicher, umso mehr gilt es, die eigene Arbeit zu zerstören:

„… deu no guadangiu, ma ge no guadangiasa mancu tui oi.“

[Übersetzung Zitat: Ich verdiene mit Sicherheit nichts, also wirst du jetzt auch nichts verdienen!]

Heftige Kritik hat den Protest der Schäfer begleitet: „Warum Milch so vergeuden? Schenkt sie der Caritas!“.  Argumente einer Kultur des Wertes der Dinge, die das Mysterium der Ware und ihrer Kräfte, die ihren Wert ausmachen, nicht begreift. Niemand ist gegen das Verschenken der Milch, die weggeschüttet wird. Das Wichtige ist nur, dass sie nicht die Industriellen bekommen. Sagt aber jetzt nicht;

Milch schüttet man nicht weg, das ist eine Sünde. Man schenkt sie der Wohlfahrt. Aber wisst Ihr nicht, dass es nicht erlaubt ist? Die gesetzliche Rückverfolgungspflicht erlaubt weder das Verschenken noch das Spenden an eine Organisation. Und nun zur Wohltätigkeit. Schon wieder Wohltätigkeit. Wir betreiben sie unser ganzes Leben, und dabei ruinieren sie unsere Existenz, haben uns und unseren Familien die Würde genommen: Jetzt ist es an der Zeit, Schluss zu machen.“

Wie es im oben abrufbaren Video von einem der Streikenden gesagt wird, ist Schafsmilch in der Käseproduktion derart fetthaltig, dass nichtverarbeitet gar nicht konsumierbar ist. Und einmal gemolken ist ihr einziges Ziel: der Markt.

„Die Schäfer produzieren zuviel Milch für die Verarbeitung. Die meisten Betriebe der Schäfer haben sich weiterentwickelt, aber nicht zur Verarbeitung, sondern zur Abgabe von Milch. Einen derartigen Betrieb auf Verarbeitung umzustellen, ist praktisch nicht möglich. Bei tausend Liter täglich, die 200 kg Käse ergeben und den Ricotta, würde ohne Maschinen, Lager und Küche schon eine  nicht handbare Größe erreicht werden; und zusätzlich bräuchte man noch Kapazitäten, um die Ware zu verkaufen. Und im Fall einer Umwandlung, sind die operativen Resultate erst zu sehen, wenn es mir gelingt zu verkaufen. Alles also, was du zuvor tust, ist vorfinanziertes Kapital. Der Schäfer ist seit je her für immer Sklave des Milchpreises. Den Preis macht nicht er, sondern die Industriellen am Serviertisch. Da der Schäfer keine Macht hat, und sich nicht einig ist mit anderen Schäfern, ist er dem Milchpreis ausgeliefert. Die Produktionskette besteht aus Schäfer – Industrieller – Multinationale. Relativ wenige arbeiten in den Käsereien. Pinna, die größte, hat 180 Beschäftigte, darunter Festangestellte und Leiharbeiter. Sie macht aber pro Jahr 50 -70 Millionen Umsatz.“

Laut Bericht von Nuova Sardegna dieses Jahres, über die 500 besten Unternehmen der sardischen Ökonomie, machen die Industriellen des Sektors der Käseherstellung 250 Millionen Umsatz jährlich.

Den meisten gelingt es, einige hundert Liter für sich zu verarbeiten. Es gibt eine teilweise Wiederaneignung des  produzierten Gebrauchswerts aus  eigener Arbeit. Da handelt es sich jedoch um Kleinkram, um Pecorino hergestellt für Subökonomien oder Eigenkonsum. „Andererseits setzt sich unser Einkommen, um zu überleben, aus verschiedenen Quellen zusammen.“ Doch ist da noch ein anderer Punkt zu erwähnen. Von oben, vonseiten der Legislative und der Organisation des Produktionsprozesses, wurde ein Prozess in Gang gesetzt. Die Normen der Europäischen Gemeinschaft verhindern den Verkauf von Käse an den Endverbraucher: Es sind Normen sanitärer-hygienischer Natur, Protokolle, Kontrollen etc.. Die Produktion ist nicht allein an ihrer Verwertung innerhalb der Produktionskette ausgerichtet, die auf höchster ebene aus dem Gleichgewicht geraten ist:

„Wenn du den Käse teuer an Carrefour und andere Multinationale verkaufst, steigt der Milchpreis. Sie jedoch streben danach, den Preis niedrig zu halten, sodass die Milchbetriebe die Milchproduktion erhöhen, was ihnen wiederum nützt. Denn durch eine gesteigerte Käseproduktion verdienen sie mehr Geld. Es ist die Verteilung des Preisanteils, der innerhalb der Produktionskette unausgeglichen und falsch ist. Er ist ganz zum Vorteil der Verarbeitung, des Einzelhändlers oder besser noch des Großhandels. Es ist Europa, das diese Methoden festgelegt hat.“

Momentaner Stand

Gestern fand ein Treffen in der Region Cagliari mit Vertretern der Käsereien Pina und Argiolas, Coldiretti, sowie dem MPS und einem Assessor der Region statt. „Wir haben für 99 % der Probleme eine Lösung gefunden, jedoch nicht in Bezug auf den Milchpreis“, äußerten sich die Vertreter der Industriellen. Ende der Vorstellung: Der Wille der Schäfer, dass ein Milchpreis von 1 € netto nicht nach unten verhandelbar ist, bleibt ungebrochen. Wenige Tage vor den Regionalwahlen wird die Politik zu einem einzigen Hindernis:

„Alle sollen wissen, dass wir kein Geld von der Region wollen, gerade jetzt in der Wahlperiode. Wir laufen unter keiner Fahne. Wir wollen nur, dass unser Produkt und unsere Arbeit so bezahlt werden, wie sie es verdienen. Wir wollen kein Geld von der Region, sondern von den Käseverarbeitern, die uns sogar die Würde genommen haben. Es reicht jetzt.“

Das Treffen ist auf nächsten Mittwoch [13.02. d.Ü.] vertagt worden. Wie es scheint, wird auch der Minister dabei sein. Eine Frau ruft zu den Industriellen hinüber:

„Macht auch ihr bis Mittwoch euren Laden zu, entweder ihr schließt ihn oder wir schließen ihn euch.“

Außerhalb des Konferenzraumes wird das Treffen mit „das geht aus wie in Frankreich!“ kommentiert.

[auf sardisch:]

„D’acabaus ca est sa Francia!“

Am heutigen Vormittag ab zehn stoppt eine gewaltige Blockade der Schäfer den Verkehr auf der Staatsstraße 131, auf der Höhe von Abbasanta, dem Zentrum der Insel. Ein Milchtankwagen der CAO wird angehalten und die Milch auf den Asphalt entleert.

„Die Milch wegschütten, ein eklatanter Akt? Scheint mir nicht so. Was sollen wir über die Franzosen sagen, wenn sie demonstrieren. Die Sache ist die, dass wir ein Volk sind, das zu kämpfen nicht mehr gewöhnt ist. Wir schlucken jede Gewalttätigkeit … wir sind ein Volk geworden, um das sich eine nichtsnutzige herrschende Klasse kümmert.“

Es spielen sich Szenen ab wie in Orune, wo jeder der Schäfer 200 Liter Milch wegschüttete, auf der Landstraße nach Bitti und im Zentrum von Macomer.

„Das einzige was hilft, ist den Käsereien keine Milch mehr zu liefern, die Häfen zu blockieren, wenn sie versuchen, Milch vom Festland oder von irgendwoher zu importieren … und daran denken, dass wir auf Sardinien 16000 Betriebe sind, und dass uns die Konsortien, die Veterinäre, Käsereien, Futterlieferanten, Agrotransporte auffressen. Also dass sie immer den übers Ohr hauen, der produziert. Es ist nicht mehr arbeiten, um zu leben, das ist arbeiten als Hobby.“

Im Augenblick zumindest kann kein Industrieller mehr die Arbeit des Schäfers klauen.

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Die Zitate sind Auszüge aus Posts in den Facebookgruppen der sardischen Schäfer, Messages auf Whatsapp, oder direkte Zeugnisse der jungen Schäfer aus der Region Mandrolisai und Barigadu.

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