Wer sagt das? Und warum?

«Questo chi lo dice? E perché?» Come riconoscere e smontare le bufale storiche – di Nicoletta Bourbaki

Wie sind historische Enten zu erkennen und zu zerpflücken? /: von Nicoletta Bourbaki

Ein Leitfaden zur kritischen Auswertung von Quellen, außerhalb und innerhalb des WWW. Mit Beispielen und didaktischen Übungsvorschlägen.

Angesagt ist in diesen Zeiten, kulturellen Widerstand zu leisten. Der bedeutet auch – und vor allem – die Trümmer der Ruinen wegzuräumen und eine zerbombte Welt zu rekonstruieren, oder eine Stadt, die es nicht mehr gibt.

Diese Arbeit ist auf lange Sicht angelegt. Sie wird immer wieder über Generationen bewältigt werden müssen. Und je besser dies gelingt, desto mehr geschieht es aus bestehender Hoffnungslosigkeit – oder wie im Dizionario Treccani zu lesen ist: «… weil es keinen Ausweg gibt, durch die unerbittliche Notwendigkeit veranlasst». In knappen Worten: Wir haben keine andere Wahl.

Eben erst gestern, beim Versuch einige Missverständnisse auszuräumen, zitierten wir auf Twitter aus einer jüngeren Schrift des Mohren von Trier:

«Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.1»

Es ist also eine Arbeit der longue durée. Um sie machen zu können, braucht es jetzt und heute neue Netzwerke, motivierte und kämpferische Personen, sowie wirksame Instrumente, Denn die Anderen warten nicht. Ihre Schaufelbagger stehen bereit: Auf den Ruinen unserer Stadt wollen sie IhreStadt errichten. Sie ist als Stadt der Märkte ohne Gedächtnis, voller Büttel geplant. Sie sind entschlossen, die Friedhöfe zu ruinieren, ihre Überreste zu verdecken und die Geschichte neu zu schreiben, indem jegliche unbequeme Erinnerung ausgelöscht wird. Die Vorhersagen Walter Benjamins beginnen sich zu bewahrheiten.

«… auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein. Und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört.2».

Dass keine Civitas, ohne ihre Toten zu schützen, leben kann, weiß die Arbeitsgruppe Nicoletta Bourbaki sehr genau. Seit mehr als fünf Jahren zerpflückt und bekämpft sie tendenziöse Interpretationen und  leibhaftige historische Verfälschungen, die das Ziel verfolgen, den Antifaschismus, die Resistenza, Revolten und große Freiheitsbewegungen gegen Rassismus und Ausbeutung zu diffamieren.

«Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, dass der Ausnahmezustand, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht3

Die letzten Monate über, hat Nicoletta einen nützlichen Leitfaden/eine Streitschrift erarbeitet, die sich an eine ganze Galaxie von Lehrern, Erziehern, Wissenschaftlern, Journalisten, Debunker und Aktivisten wendet. Er gibt das Werkzeug an die Hand, um historische Enten und Schrott zu entlarven und um sich der Fälschungen entledigen zu können, die im Web die Runde machen. Der Leitfaden zeigt, wie Quellen zu benützen sind und wie Manipulationen in der Öffentlichkeit demontiert werden.

Der Leitfaden Questo chi lo dice? E perché ist original hier lesbar. Die deutsche Übersetzung wird zunächst sukzessiv auf dieser Website veröffentlicht werden.



Nicoletta Bourbaki è un gruppo di lavoro sul revisionismo storiografico in rete, sulle false notizie a tema storico e sulle ideologie neofasciste, nato nel 2012 durante una discussione su Giap, il blog di Wu Ming. Ne fanno parte storici, ricercatori di varie discipline, scrittori, attivisti e semplici appassionati di storia. Il nome allude al collettivo di matematici noto con lo pseudonimo collettivo «Nicolas Bourbaki», attivo in Francia dagli anni Trenta agli anni Ottanta del ventesimo secolo.
Il gruppo di lavoro ha all’attivo diverse inchieste – pubblicate su Giap – sulle manipolazioni neofasciste della Wikipedia in lingua italiana e sui falsi storici in tema di foibe. Tra i vari risultati, ha contribuito a smontare la bufala della cosiddetta «foiba di Rosazzo», altrimenti detta «foiba volante».
Per l’edizione on line della rivista Internazionale, in occasione del Giorno del Ricordo 2017, Nicoletta Bourbaki ha curato lo speciale La storia intorno alle foibe.
Al momento, Nicoletta Bourbaki, coi suoi ricercatori sparsi in tutta Italia, sta lavorando sui materiali di diversi archivi per ricostruire, per la prima volta in modo storiograficamente sensato e accurato, il caso Giuseppina Ghersi.



Index:

Teil I – Den kritischen Blick schärfen


1. K.Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
der Mohr von Trier: den Beinamen „il moro di Treviri“ habe ich, ins Deutsche übersetzt, so belassen und nicht durch den nüchternen Namen ersetzt. Der ist allbekannt, jedoch was den Beinamen betrifft, ergab es im Deutschen keine fündige Recherche. [Anm.: Adressbuch Trier, 26  Treffer für Mohr]. Im Italienischen u.a.; zur Kritik des realen Marxismus im Postmarxismus – als Anregung zur Lektüre;

2. W.Benjamin, Thesen zum Begriff der Geschichte, Abschn. VI

3. W.Benjamin, Thesen zum Begriff der Geschichte, Abschn. VIII

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