Acte X: Für eine gelbe Flut, die wirklich über das Ufer tritt

Der Artikel ist die Übersetzung einer kritischen Reflektion zu Acte X der Gilets Jaunes, geschrieben und veröffentlicht (22.01.2019) auf der Website Paris luttes, 

„Es ist schwer zu sagen, ob Akt 10 ein weiterer Sieg für die Bewegung oder aber für die Regierung war.
Auf der einen Seite war die Mobilisierung nach wie vor sehr ansehnlich (in einigen Städten sogar Rekorde brechend). Andererseits waren die Kundgebungen für die Macht noch nie so harmlos und ähnelten noch nie so den traditionellen Demonstrationen, mit einer definierten Route und einem Ordnungsdienst. So zumindest in Paris.“

Das kann für andere Städte (glücklicherweise) weniger zutreffend sein.

Sollte sich dieser Trend jedoch in den kommenden Protesten fortsetzen, kann sich die Macht die Hände reiben. Sie werden über Monate fortgesetzt werden können, ohne weiter zu beunruhigen. Die Regierungen werden einige Erklärungen abgeben, einige Versprechungen des perlimpinpin… und sie werden die Bewegung auf kleiner Flamme dahinsiechen lassen.

Denkt denn heute jemand, dass Macron seine Politik oder sogar seine Regierung aufgeben würde, bei einer Bewegung ohne Grenzüberschreitungen, die vielleicht noch Wochen ansehnlich bliebe, jedoch in einen gut organisierten Rahmen der Ordnungskräfte eingezwängt wurde? 

Diejenigen, die echte Veränderungen wollen, die danach streben, eine ungerechte und verabscheuungswürdige Macht zu stürzen, eine egalitäre und humanistischere Zukunft anzubieten, wissen das. Sie wissen, dass der Kampf offensiv geführt werden muss, der nicht im Rahmen einer angemeldeten Demonstration mit Kurs- und Ordnungsdienst verbleibt. Wenn die Gewerkschaften so sehr versagt haben und sich von einem großen Teil der Bevölkerung (einschließlich der Ärmsten) getrennt haben, dann zum Teil deshalb, weil sie sich entschieden haben, die von der Macht diktierten Regeln des Demonstrationsspiels einzuhalten. Wenn die Leute über die letzten Jahre die Sound-/Merguez-Demonstrationen aufgegeben haben, wo sie auf eine Prozession zu gehen glaubten, dann geht es eben nicht darum, die gleichen Ähnlichkeiten bei GJ-Protesten zu reproduzieren.

Wir haben es bereits gesagt, aber die Stärke der ersten Treffen bestand größtenteils in der Weigerung, die von der Macht auferlegten Befehle und Regeln zu befolgen. Nicht aus Vergnügen, geächtet zu werden, sondern weil die GJs der Meinung waren, dass diese Anordnungen nicht gerecht und legitim waren. Dies war während des verbotenen Protests bei Akt 2  auf den Champs Elysées der Fall . Dies war auch bei den folgenden Protestakten mit der Verweigerung von Durchsuchungen oder den Barrikaden und Blockaden auf Parkplätzen und bei anderen Grenzüberschreitungen der Fall.

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Auf Grund ihres sehr zahlreichen und undisziplinierten Auftretens, hat die Bewegung die Ordnungskräfte völlig überrascht und die Macht zum Zittern gebracht (zu mindestens temporär).  

Hunderttausende von Menschen haben ihr Leben für diesen Kampf wochenlang auf den Kopf gestellt, damit diese Bewegung zu sozialem Fortschritt führt. Tausende von GJs wurden verwundet, verstümmelt, eingesperrt, gedemütigt. Aber das hinderte die Bewegung nicht daran. Im Gegenteil.

Heute müssen wir eine Entscheidung treffen: die, festzustellen, dass sich nichts ändert und dass die Macht in ihren Stiefeln bleibt, unabhängig vom Ausmaß der Mobilisierungen. Und damit zu unserem „normalen“ Leben zurückzukehren. Oder diese zwei Monate mit Treffen, Austausch und Kämpfen zu einer Einführung in eine viel massivere und umfassendere Kampfbewegung zu machen. Dazu gehört natürlich auch die Notwendigkeit, noch mehr Energie, Zeit und Kraft aufzubringen. Und so könnte unser tägliches Leben noch mehr durcheinander geraten. Aber ist es das nicht wert?

Verändern wir unser Leben, indem wir ihr Leben in den Palästen verändern.
Nehmen wir die tägliche Herausforderung an, eine neue Zukunft zu gestalten.
Begnügen wir uns nicht mit Brosamen, sondern fordern wir die ganze Bäckerei.

Scheuen wir uns nicht, ehrgeizig, idealistisch, unkontrollierbar zu sein.
Vervielfachen wir die geschlagenen Breschen, die Exzesse, die Orte, an denen die Regeln ständig nach unseren Prinzipien in Frage gestellt werden und nicht nach den von der Regierung auferlegten.

Dann können zukünftige Handlungen zu Gründungsakten werden, und wir können beginnen, eine neue Gesellschaft aufzubauen, aus der Asche derjenigen, die wir gestürzt haben. Aber es gibt keine Asche ohne Feuer.

Und wir werden unsere Demonstrationen anmelden, wie sie ihr Einkommen angeben.

Wir sehen uns Samstag!




übersetzt von FHecker:

Pour une marée jaune qui déborde. Vraiment.

 

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