„Radio Alice ist zweifelsohne auch der Name einer Pizzeria“: das Kapital & 19siebenundsiebzig, Teil 2a

«Radio Alice è senz’altro anche il nome di una pizzeria»: il capitale & il settantasette, 2a parte

[La prima parte è qui] [die deutsche Übersetzung Teil 1, ist hier] von Wolf Bukowski*

Inhalt

Einleitung
– Pizzeria Alce Nero Berberé – Sanierung: ist eine Gegend anrüchig, läuft das Geschäft nicht – Gentrifizierung: wer kein Geld hat, sollte in den Vororten bleiben – Gemeinschaftsessen in der Via Petroni, Bologna – paramilitärische Gewalt in Aktion – Aktivitäten des Profits und Regeln der Demokratie – Faschismus der Antifaschisten – Geschäftsaufgabe ja aber nicht wirklich – 

Abendessen (und auf der Toilette) bei Radio Alice
Italien: Jubiläum 1977 –  Freundin M. speist am Hoxton Square – Alice-Pizzerien mit schäbigem Schick und raffinierter Luft – 8 Slices laden ein zum Verzehr – Und auf der Toilette, die letzte Sendung 1977 von Radio Alice – Polizeiüberfall bei Darmentleerung –

Die (Pizza-) Revolution Radio Alice
– We like to do things a little differently – Auch Manager machen Revolution – Eine neue Pizza, perfekt zum Teilen –

Radio Alice
– We like to do things a little differently – Auch Manager machen Revolution – Eine neue Pizza, perfekt zum Teilen – Radio Alice ist seit Monaten Radio Alice™ – vom Radio der Stimmlosen zur eingetragebeb Marke – Was ist kapitalistischer Legalismus? –

8 Slices mit beschränkter Haftung
– Joint venture 8 Slices mit den Azzuri – Etwas Licht im legalen Dickicht des Profits – Der Azzuri Catering Konzern –

«Deliveroo is fuelling takeaway orders»
– Deliveroo verstärkt das Hausliefergeschäft – Galaxieunternehmen Bridgepoint –

Durch den Spiegel 
– Rider von Deliveroo wehren sich – Polizeiprügel für Pizzaausträger –

Anmerkungen



Die Pizzeria Alce Nero Berberè in der Via Petroni in Bologna steht zwangsläufig im Mittelpunkt der Betrachtung. Das Restaurant befindet sich mitten im Zentrum des Universitätsgeländes, das gentrifiziert wird, und, wie wir im ersten Teil gesehen haben, ebenso im Zentrum einer farbigen Konstellation von Tanten, Mitbewohnern und „Mitarbeitern-die-wichtig sind“.

Im März 2017 droht Lucio Cavazzoni von Alce Nero, die Via Petroni zu verlassen, weil sie nicht gut besucht ist: „Abends habe sogar ich Angst, in dieser Gegend herumzulaufen“ und „die Bestimmung dieser Straße können nicht die Cicchetti [Drinks] für anderthalb Euro sein“, sagt er und fordert mehr „Sanierung“. Wir stellen fest, dass man die 77er Studenten als Marke nutzen und sich gleichzeitig über die preiswerten Getränke für mittellose Studenten beklagen kann: Ein Wunder des Marketings.

Der Bürgermeister Virginio Merola antwortet Alce Nero mit der Haltung eines Kolonel: Im Krieg gegen die Abwertung ist „Desertion nicht erlaubt“. Dann, nach gestatteter Denkpause, geht es in kameradschaftlichem Ton weiter:

Virginio Merola

„Das Wichtigste ist, dass Alce Nero begreift, dass wir daran arbeiten, aber das braucht seine Zeit. Wir warten auf neue Anordnungen zur Stärkung der Befugnisse der Bürgermeister und bereiten ein Großprojekt zur Revitalisierung des Universitätsgeländes vor.“

Das Kollektiv Eat the Rich parodiert in einem Flyer mit dem eindeutigen Titel „Die Bioläden raus aus der Via Petroni: Alce Nero geh‘ gleich mit!“;) die Mediendiskussion zwischen Cavazzoni und Merola:

„wer das Geld nicht hat, sollte in den Vororten bleiben, etc. , dass dabei auch ein Touristenselfie schlecht dabei wegkommt, wenn es zufällig unter der Rubrik läuft: es war einmal ein Armer. […] Was zum Teufel machen die Armen noch in der Innenstadt? Wie können sich diese Waschlappen von Studentlein unterstehen, eine Bibliothek besetzen? Was denken diese Pakistanis, was sie tun, wenn sie ihre billigen Biere verkaufen? Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Auswurf zu verjagen: Verordnungen, Polizei auf dem Lokus, überall Baustellen, Prozesse, aber hauptsächlich Restaurants und Boutiquen, die für die Mehrheit der Bevölkerung unzugänglich sind.“

Es folgt die Einladung zu einem „echten gemeinschaftlichen Essen in der Via Petroni, um Essen und Geselligkeit miteinander zu teilen.“ Während des organisierten Straßenessens  geschieht nichts Bedrohliches. Der Zugang zum Lokal und der Verkehr auf der Straße wird nicht behindert. Das Einzige, was die Zeitungen zu berichten wissen, ist ein gesprayter Spruch auf dem Fußboden des Bogenganges: „Macht Euch davon!“ Übertrieben aber die Reaktion der lokalen Politik:

Matteo Lepore

„was sich heute in der Via Petroni abspielte ist ein schlimmer, nicht zu unterschätzender Vorfall. Die politische und kulturelle Gewalttätigkeit derer, die für diesen Akt verantwortlich sind, trägt den Stempel paramilitärischer, einschüchternder Gewalt. Sie berufen sich auf Ideale, aber in Wirklichkeit handelt es sich um Leute, die an Ideen und Werten wenig aufzuweisen haben. Ihre Clownerien bestehen darin, einen Feind auszumachen, mit dem man sich die Zeit vertreibt.“

Das schreibt Stadtrat Matteo Lepore. Soviel Nervosität ist nichts Neues: Bereits 2013 wurden Arbeitnehmern, die gegen die Behauptungen von Granarolo (einer Aktiengesellschaft, die ebenso wie Alce Nero, Mitglied von Legacoop ist) protestierten, vorgeworfen, einen“subversiven Plan“; durchgeführt zu haben, und ein parlamentarischer Antrag, auf Betreiben der Pd, forderte die Regierung auf, „so bald wie möglich die normalen Aktivitäten von Granarolo und die Achtung der demokratischen Regeln wiederherzustellen“ – als ob die beiden Dinge in irgendeiner Weise miteinander verbunden wären.

Kurz gesagt: In Bologna sind Legacoop die Guten, und wer es wagt, die Guten herauszufordern, ist ein Faschist. Das Format, das nunmehr für einige Monaten verwendet wird, ist das, was dann abusiv „Faschismus der Antifaschisten“ genannt wird. Das kommt nicht wie ein Pilz aus dem Nichts; es wurde geboren, wie fast alle üblen Niederträchtigkeiten der Rechten, direkt im Pd-Haus. Wenn wir dann hinzufügen, dass Stadtrat Lepore ein Mann mit Legacoop-Ursprung ist, können wir gut verstehen, dass es viele Gründe gibt, die ihn zu solchen absurden Aussagen veranlassen.

Mrz. 2017: Das Marmorgranulat mit politischer und kultureller Gewalt verziert

Hat Alce Nero dann die Via Petroni verlassen? Ja und nein: Es steht nicht mehr in der Beschriftung – die heißt heute nur noch Berberè. Aber der berühmte „Minderheitsanteil“ von Berberè, den Alce Nero von seinen Tanten gekauft hat, bleibt intakt, ein Anteil, der laut einem Verzeichnis von Unternehmensdaten 49% beträgt. Wenn das so ist, so ist die Geschäftsaufgabe in der Via Petroni, die von Alce Nero angedroht und realisiert wurde, keine wirkliche Aufgabe; und sie ist stattdessen eine (halbe) Wahrheit, die Salvatore Aloe im September 2017 dem Foodie Fighter sagt: „Wir haben nie gedacht oder sogar gesagt, dass wir den Standort wechseln wollen“.

Das zwischen der Pd-Administration und Alce Nero war kein Duell, sondern ein Duett. Und die Partitur, die sie wie üblich interpretierten, war eine Hymne an die Gentrifizierung.

Abendessen (und auf der Toilette) bei Radio Alice

2017, im Jubiläumsjahr einer Menge Ereignisse, einschließlich Siebenundsiebzig, ging die Freundin M. ins Radio Alice zum Abendessen. Sie hat beide Londoner Lokale aufgesucht und mir dann ihre Notizen geschickt.

„Am Hoxton Square, nur einen Steinwurf vom Hipster District Shoreditch entfernt, befindet sich die Pizzeria in einem etwas abgelegenen alten Schulgebäude neben der Kirche St. John the Baptist. Draußen ist eine Pergola, angebracht, die an die typisch italienischen Bars erinnert. Dort kann der lange Tisch mit anderen Kunden der Pizzeria geteilt werden. Das Interieur von schäbigem Schick. Das andere Radio Alice in Clapham befindet sich in einer schmalen Straße, einen Steinwurf von der Metrostation entfernt und gegenüber von einem Kino. Auch hier kann man draußen essen, aber die Tische sind getrennt. Im Allgemeinen ist dort eine ungezwungene, aber raffinierte Luft zu spüren, die jedoch überhaupt nichts Populäres an sich hat. Die Kundschaft ist meist weiß und bürgerlich, gut gekleidet und bereit, das iPhone bei jeder Gelegenheit herauszuziehen: Punkt, Aufnahme, Teilen auf Instagram. Die Beutel mit Alce Neros Mehl sind gut sichtbar, die Pizzabäcker tragen die klassische weiße Uniform.“

Die Pizza wird, wie in allen anderen Berberé Pizzerien, „in acht geschnittene, zum Verzehr einladende Slices serviert“. Das ist das Detail, welches den Dübel eines Marketings darstellt, das sich mythopoetisch gibt.

In der Pizzeria am Hoxton Square, wird im Toilettenvorraum die letzte aufgenommene Sendung von Radio Alice abgespielt. In ihr ist das Eindringen der Polizei, in die Räume des Radios in der Via del Pratello 41, zu hören. So kann der Kunde mit einigen Italienischkenntnissen, während er auf eine Toilette wartet, um seinen Darm zu befreien, der Schilderung des Vorfalls zuhören und u.a. das erfahren:

„Haben Sie einen Beschluss“ „Ja“ „Ich will ihn sehen.“ „AUFMACHEN!“

Und weiter:

„Die Situation ist ruhig, die Polizei ist immer noch draußen und wartet darauf, immer noch mit kugelsicheren Westen und Pistolen, die immer noch auf uns gerichtet sind, einzutreten. Sie sagten, sie würden die Tür einbrechen und  weitere Dinge dieser Art … Wir bitten jedoch alle Compagni, die Anwälte kennen, dort anzurufen und zu sagen, dass wir hier von der Polizei belagert werden …“

Und schließlich:

„Sie sind hereingekommen, wir haben die Hände oben […] nun, sie kappen die Mikrofonleitung“ „HOCH DIE HÄNDE, LOS!“ „Wir haben die Hände oben – Schauen Sie, das ist ein Vollzugsbeschluss – Und dann Stille!

Unsanftes Ende des Programms von Radio Alice, am 12. März 1977.  Vierzig Jahre später, auf der Toilette einer Pizzeria in einem Hipster-Stadtteil von London – wird die Stille von einer Klospülung unterbrochen.“

Die (Pizza-) Revolution

Wie auf der Speisekarte steht, lautet das Motto der Pizzeria „We like to do things a little differently““. Und es versteht sich: genau wie das 77er Radio. Während er auf das Essen wartet, fragt M. einen der Manager nach dem. Die Erklärung, die er erhält, entspricht genau den Standards: „Berberè hat die Revolution der markiert“, ebenso wie Radio Alice die Revolution der Radiokommunikation.

Bezüglich Gastronomie erklärt der Manager, dass es sich um „eine neue Pizza handelt, es ist weder die von Pizza Pilgrims oder Franco Manca noch die von Homeslice“. Das heißt, sie ist weder neapolitanisch (Pilger und Manca), noch die „New Yorker“ von Homeslice.

Die Kellnerin, die das das Menü bringt, verbindet die Eigenschaften des Radios wieder mit der Aufteilung der Pizza in acht Stücke. „Perfekt zum Teilen“, genau wie der Sender, an dem jeder teilnehmen kann. Dass all dies die Kunden der Pizzeria erreicht, ist doch sehr unwahrscheinlich. Sie kümmern sich verständlicherweise ums Essen.

Radio Alice

Wir haben bereits im ersten Teil den Brief gelesen, mit dem Salvatore Aloe pikiert den Vorwurf zurückweist, dass der Name Radio Alice „geschickt“ angeeignet wurde.

Der Artikel von Zic und die Antwort des Gastronomen liegen zwischen November und Dezember 2016.

Nun, der Antrag auf Eintragung der Marke Radio Alice wird am 17. März 2016 beim Amt für geistiges Eigentum der Regierung Seiner Majestät registriert. Man kann sicherlich die Täuschung leugnen, man kann sich auf guten Glauben berufen: Es kostet nichts, dies zu tun. Dennoch ist zum Zeitpunkt dieses Briefwechsels bereits alles getan. Radio Alice ist seit Monaten Radio Alice™.

Aber nachdem wir diese einfache Realität beschrieben haben, gehen wir weiter. Das Verbleiben der Kritik im Gebrauch von Wörtern – oder an dem „geschickt“ wieder verwendeten Namen – ist nervenaufreibend und führt zu einem Gefühl der Hilflosigkeit, zu einem Spreizen der Arme, ohne fliegen zu können. Es ist deshalb fruchtbarer, ihr Gebrauch als Ausgangspunkt eines wirtschaftlichen Prozesses zu erkennen und zu versuchen, diesen Prozess zu beschreiben: 1. in seinen Beziehungen zur Gesellschaft und 2. in den Kapitalbewegungen.

Im Hinblick auf die Gesellschaft kann die Geschichte von Radio Alice als ein Beispiel des Extraktivismus 1. gelesen werden: Ein kollektives Subjekt, libertär und antikapitalistisch, gibt dem Namen „Radio Alice“ einen Wert; später, nach einer Veränderung des Machtgleichgewichts, wird dieser Wert aus dem Kapital extrahiert und in den Gewinn gezogen. Und so gelangt man vom Radio, das den „Stimmlosen“ eine Stimme gibt, zur Pizzeria mit eingetragener Marke.

Diese Extraktion von Wert erfolgt dank zweier Kräfte, die dem Kapital sehr teuer und für seine Apotheose unerlässlich sind: der Zeit (das Kapital, das die Vision der Zukunft als Triumph hat, hat es nicht eilig) und dem Staat. Der Polizeistaat, der am 12. März 1977 – mit Waffen in der Hand – das Radio räumt, aber auch der bürokratische Staat: der des „™“. Der kapitalistische Legalismus, ist das Verwirrspiel mit dem die wohlhabende Klasse Mauern aus Papier und Bytes errichtet, um ihre Privilegien zu verteidigen.

Die zweite Analyselinie, der wir folgen, ist die der inter-kapitalistischen Beziehungen. Hier ist die notwendige Voraussetzung: Ein Unternehmer kann nach Belieben über Revolution, Teilen und „Gegenkultur“ quatschen. Vor allem muss er sich, um Unternehmer zu bleiben, eine Unternehmensstruktur geben, die den Gewinn maximiert und den Schlägen des Wettbewerbs standhält. Und das Unternehmen, dem die Marke Radio Alice gehört, ist da keine Ausnahme.

8 Slices mit beschränkter Haftung

Die Marke Radio Alice™ ist nicht direkt im Besitz von Berberè, sondern auf 8 Slices limitiert (ja, nur die acht Schnitten, „das Aufteilen“). 8 Slices ist die Unternehmensform eines Joint Venture zwischen Berberè und einem britisch-italienischen Gastronomiekonzern, der „Azzurri Group“;. Die Azzurri scheinen von den „revolutionären“ Blasen ihrer italienischen Mitglieder nicht besonders beeindruckt zu sein, und im Geschäftsbericht 2017 schreiben sie:

„Im Jahr 2016 hat Azzurri eine neue Marke, Radio Alice, eingeführt. Die neue Pizzeria ist „fast“, „casual“ und stellt höchste Qualitätsansprüche. Die neue und mitreißende Marke ist eine erfreuliche Erweiterung unseres Geschäftsbereichs. Das Konzept erlaubt unserer Gruppe in ein Geschäftsmodell einzusteigen mit kleinen Lokalen und geringer Kapitalisierung, als Dienstleistung für eine junge Kundschaft […].“

Der Name „Azzurri“ lässt einen an alles andere als an „Gegenkultur“ denken. Er erinnert an den Breitensport schlechthin, jedoch in einer Variante, weit entfernt von einem Bolzplatz der Peripherie. Und nach 1994, mit dem „Einstieg aufs Spielfeld“ ist es schwer, nicht an Berlusconi und seine sehr blaue Partei zu denken. Aber auch hier ist der beste Weg, Licht in die Mehrdeutigkeit der Namen zu bringen, die man dem Kapital gibt, um die soziale Positionierung dieser Namen zu erkennen. Der o.g. Geschäftsbericht 2017 zeigt auch die Größe des anderen Eigentümers von Radio Alice™:

„Die Azzurri-Gruppe führt erstklassige Marken im italienischen Catering-Sektor. – mit mehr als 6000 Mitarbeitern – mit mehr als 17 Millionen Mahlzeiten pro Jahr – mit 278 Restaurants und Unternehmen im Vereinigten Königreich.“

Die Hauptmarken sind ASK Italian und Zizzi, gefolgt von Coco di Mama (Kaffee und Imbiss) und, wie wir wissen, Radio Alice. Die Verbindung zwischen der Azzurri Gruppe und Berberè ist systemisch und nicht zufällig. Die Marke Radio Alice wurde (im März 2016) von der Azzurri Business Development Company Limited eingetragen, einer Gesellschaft, die im folgenden Monat ihren Namen in 8 Slices Limited änderte. Am 27. April 2016 trat Aloe in die Führungsriege der 8 Slices ein, aber Berberè war in der Minderheit. Dies ist Stand im letzten verfügbaren Bericht vom 2. Juli 2017 (Seite 23).

Die Azzurri Gruppe gehört zu Unternehmen mit sich wiederholenden Namen (Bridgepoint Europe V „A1“ LP, „A2“ LP, etc. ), die alle mit der Bridgepoint Group Limited verbunden sind (Seite 62 des Berichts 2017 von Azzurri).

Bridgepoint ist eine Private Equity-Gruppe, d. h. „eine Form der mittel- bis langfristigen Investition in nicht börsennotierte Unternehmen mit hohem Wachstums- und Entwicklungspotenzial […], die hauptsächlich von institutionellen Investoren mit dem Ziel durchgeführt wird, einen erheblichen Kapitalgewinn aus dem Verkauf der erworbenen Beteiligung oder aus dem Börsengang zu erzielen“. (Italienische Börse, Glossar)

«Deliveroo is fuelling takeaway orders»

Zusammenfassend also: Der Name des Radios, den Aloe in seinem an Zic gerichteten Protest als „für alle geboren“ und „für alle, einschließlich der Pizzabäcker“ bezeichnet, ist das Markenzeichen der Pizzerien, die sich im Besitz von 8 Slices befinden, einem Unternehmen, das von der Azzurri-Gruppe kontrolliert wird, und die wiederum Teil des Galaxieunternehmens Bridgepoint.

Neben Azzurri und Radio Alice™ ist Burger King UK, mit 500 Franchise Restaurants, seit November 2017 Teil des Portfolios von Bridgepoint . Vor allem aber gibt es seit 2016 einen Anteil an Roofoots Ltd. oder Deliveroo. Nach einer im August 2017 aktualisierten Rekonstruktion ist Bridgepoint mit einer Beteiligung von 10% der fünftgrößte Investor in Deliveroo (der größte hat 16%).

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Darstellung der Aktienbeteiligung: Daten des Artikels

Auch hier sind die Firmenverbindungen nicht zufällig, sondern systemisch. Der Geschäftsführer von Azzurri, im Gespräch mit dem Telegrafen, ist zufrieden mit:

„Deliveroo’s rasanter Expansion, die das Hausliefergeschäft der Gruppe antreibt, wobei die Bestellungen jetzt [im Oktober 2017] etwa 5% des Gesamtumsatzes ausmachen, während sie vor 18 Monaten noch gegen Null tendierten. Der Manager betont, dass der Hauslieferdienst das Restaurantgeschäft nicht auffrisst, und dass der Boom von den „jüngeren Millennials“ betrieben wird, die zu Hause das Restauranterlebnis nachahmen wollen.

Durch den Spiegel

Am 13. April 2018 präsentierten sich Dutzende von Deliveroo-Austräger pünktlich am „Eingang Rider“ des Mailänder Büros, d.h. ebendann, wenn es möglich war, jemanden, der den Arbeitgeber vertritt, persönlich zu treffen. Sie verlangen jemanden zu sprechen, da es sich um den Erhalt ihrer Ansprüche (Akkordarbeit, „Ranking“, das sie miteinander in Konkurrenz setzt, Unfallversicherung …) handelt.

Es musste für die Manager von Deliveroo unerträglich sein, Menschen aus Fleisch und Blut vor sich zu haben, besonders wenn es Menschen sind, die (buchstäblich) durch Treten die Gewinne des Unternehmens ermöglichen. So rufen sie die Polizei, die im Einklang mit dem Sicherheitsdienst des Unternehmens handelt (Staat und Kapital wie immer in perfekter Solidarität) und die Rider mit Drohungen, Schüben und Schlagstöcken wegräumt.

Die Polizei, die vor 41 Jahren die Tür des Radios in der Via del Pratello aufbrach, jagte Alice durch den Spiegel hindurch und beeilte sich, die Arbeiter eines Unternehmens zu prügeln, das die oben beschriebenen Firmenverbindungen zu Radio Alice™ hat. Es gibt kein Bild, das die Worte von Walter Benjamin, die ich in die Epigraphik aufgenommen habe, besser veranschaulicht, und es gibt keine Worte, die besser sind als seine, die die Aufgabe beschreiben, die uns erwartet. Mit diesen möchte ich also schließen, wie ich begonnen habe:

Die Gefahr droht sowohl dem Bestand der Tradition wie ihren Empfängern. Für beide ist sie ein und dieselbe: sich zum Werkzeug der herrschenden Klasse herzugeben. In jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen. (W.Benjamin: Über den Begriff der Geschichte)

Anmerkungen

Die Unternehmenswebsite von Berberè wurde im April 2018 umgebaut und ist heute von fast allem, was nicht funktionabel ist, also die Bestellung einer Pizza (mit Sgnam, Foodora oder natürlich Deliveroo) erleichtert. Aus diesem Grund führen einige der Links im ersten Teil zur Wayback Machine, dem historischen Archiv der Versionen der Websites. Um die genannten Teile zu finden, müssen Sie möglicherweise „more info“; oben links auf dem Bildschirm öffnen.

Der Titel ist die Paraphrase eines Verses – „San Marco ist zweifellos auch der Name einer Pizzeria“; – aus Venedig, der als Lied von Gian Piero Alloisio, 1981 ebenfalls von Francesco Guccini vertont wurde.

Die englischen Texte werden direkt in der Übersetzung (meiner) widergegen; das Original finden Sie über die Links.

Dieses Stück entstand aus der Korrespondenz mit M. Ihre Rolle war viel wichtiger als nur das Essen von Pizzas bei Radio Alice Hoxton und Clapham, und ich schulde ihr viel Dank. Für die Beratung in Unternehmensfragen gilt jedoch der Dank dem unschätzbaren Genossen F.

* Wolf Bukowski schreibt für  Giap e Internazionale. Er ist Autor von  La danza delle mozzarelle (2015)  e La santa crociata del porco (2017), beide herausgegeben bei Alegre.

  1. Extraktivismus: aus der polit.Ökonomie entlehnt, meint der Begriff hier, die Aneignung und Legalisierung einer materialisierten sozialen Idee, zum Zwecke der Profitmaximierung.

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