Oben die Mauern, unten die Risse (Teil I)

… ein zapatistischer Beitrag aus den südöstlichen Bergen Mexikos.

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Subcomandante Insurgente Galeano

publiziert am 11. April 2017
durch SupMoisés und SupGaleano

Februar 2017

Die Mühsale unseres Weges

Für uns, die zapatistischen Stammvölker besteht die Mühsal des Krieges seit Jahrhunderten. Der erreichte unsere Länder mit der Lüge der Zivilisation und der dominanten Religion. Damals sorgten Schwert und Kreuz dafür, dass unsere Leute verbluteten.

Diego_de_MazariegosMit der Zeit wurde das Schwert modernisiert und das Kreuz wurde durch die Religion des Kapitals entthront. Dennoch wurde fortgesetzt unser Blut verlangt und dem neuen Gott, dem Geld, als Geschenk überreicht.

Wir haben Widerstand geleistet, wir haben immer Widerstand geleistet. Unsere Rebellionen sind verdrängt worden vom Disput der einen gegen die anderen um die Macht.  Die einen wie die anderen  haben von uns immer von oben herunter verlangt, dass wir für sie kämpfen und sterben, um ihnen zu dienen. Sie verlangten von uns Gehorsam und Unterwerfung unter ihre Lüge, uns zu befreien. Als jene, die sagten und sagen kämpft dagegen, sind sie gekommen und kommen, um zu kommandieren. So sind Freiheitskriege und falsche Revolutionen entstanden, jene vergangenen und die noch kommen werden. Jene da oben haben gewechselt und wechseln, um schlecht zu regieren oder danach zu trachten, das zu tun. Und in ihren vergangenen wie gegenwärtigen Plänen, ist ihr Vorschlag immer der gleiche: wir sollen bluten, während sie regieren oder so tun, dass sie regieren. Und damals wie heute vergessen sie die, die nicht vergessen werden.

Und die Frau steht dabei immer unten, gestern wie heute ist sie eingeschlossen im Kollektiv, das wir gewesen sind und das wir sind.

Ihre Pläne jedoch, haben nicht nur Schmerz und Tod unter unsere Völker gebracht. Wenn die Macht ihre Herrschaft erweiterte, schuf sie neue Bündnisse. So haben wir den Arbeiter und Bauer in unserem Schmerz ganz als einen der unseren gesehen, der unter den vier Rädern des Leichenwagens des Kapitals nieder gestreckt lag.

So wie die Macht im Lauf der Zeit weiter schritt, wuchs immer mehr das Unten und es erweiterte sich die Basis über welche die Macht die Macht ist. Deshalb haben wir gesehen, wie Lehrer, Studenten, Handwerker, kleine Kaufleute, Freiberufler und weitere, unterschiedlicher Bezeichnung, doch identischer Leiden, sich  zusammen schlossen.

Das hat nicht genügt. Die Macht ist ein exklusiver, diskriminatorischer, selektionierender Raum. Also sind auch die Unterschiede offen angestrebt worden. Die Hautfarbe, die Rasse, der Glauben, die sexuellen Neigungen, sind aus dem versprochenen Paradies vertrieben worden und das Inferno wurde ihr ständiger Aufenthalt.

Daraufhin kamen die Jugend, die Kindheit, das Alter an die Reihe. Die Macht hat so ihr Programm in den Stoff Verfolgung umgewandelt. Alles da unten ist schuldig: schuldig Frau zu sein, schuldig jung zu sein, schuldig erwachsen zu sein, schuldig alt zu sein und schuldig Mensch zu sein.

Aber während die Macht die Ausbeutung, Vertreibung, Repression und Diskriminierung verstärkte, hat sie dadurch auch den Widerstand und die Rebellion verbreitert.

Wir haben damals wie heute gesehen, wie sich der Blick vieler Menschen aufrichtet. Verschieden sind sie, jedoch gleich im Zorn und Ungehorsam.

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Die Macht ist sich bewusst, dass was sie ist, den Arbeitenden verdankt. Sie braucht sie. Auf jede Rebellion hat die Macht geantwortet und antwortet, indem sie Wenige kauft und betrügt und Viele einsperrt und umbringt. Die Macht fürchtet die Bittgesuche der Arbeitenden nicht. Es ist ihr Beispiel, was sie erschreckt.

Das ist jedoch nicht alles. Die Macht des Kapitals beherrscht die Nationen und versucht so die gesamte Menschheit unter ihr schweres Joch zu bringen.

Das reicht ihm aber ebenso wenig aus. Das Kapital will jetzt die Natur beherrschen, sie bändigen, zähmen und ausbeuten. Das heißt soviel wie: sie zerstören. Sein zerstörerischer Weg wird immer vom Krieg begleitet. Zuerst hat das Kapital, die Macht die Lehnsherrschaft und Königreiche beseitigt. Auf ihren Ruinen wurden die Nationen errichtet.

Dann hat es (das Kapital, d.Ü.) die Nationen zerstört und auf ihren Trümmern eine neue Weltordnung errichtet: den großen Markt.

Die ganze Welt hat sich in ein immenses Warenlager verwandelt. Alles wird verkauft und gekauft: das Wasser, der Wind, die Erde, Pflanzen und Tiere, die Regierungen, das Wissen, das Vergnügen, das Verlangen, die Liebe, der Hass, das Volk.

Auf dem großen Markt des Kapitals jedoch, werden nicht nur Waren ausgetauscht. Die „ökonomische Freiheit“ ist nur eine Luftnummer, die stillschweigendes Einverständnis zwischen dem Verkäufer und dem Käufer vortäuscht. In der Realität aber, stützt sich der Markt auf Ausplünderung und Ausbeutung. Der Austausch ist folglich straffrei. Justitia hat sich in eine groteske Karikatur verwandelt und auf ihrer Waage wiegt das Geld mehr als die Wahrheit. Und die Stabilität dieser Tragödie, die sich Kapitalismus nennt, ist abhängig von Unterdrückung und Geringschätzung.

Doch auch das allein genügt ihm nicht. Die materielle Welt zu beherrschen ist nicht möglich, ohne die Herrschaft über die Ideen. Seine religiöse Durchsetzung hat sich verstärkt, Künste und Wissenschaften erreicht. Modisch entstehen und wachsen Philosophien und Glauben. Die Wissenschaften und Künste haben aufgehört das zu sein, was den Menschen auszeichnet, und sie wurden in eines der Warenregale des Supermarkts der Welt eingestellt. Das Wissen wurde, wie auch die Regeneration und das Vergnügen, zum Privatbesitz.

Das Kapital hat sich so als ein großer Fleischwolf erwiesen, der nicht nur die ganze Menschheit als Primärmaterie verschlingt, um seine Waren zu produzieren, sondern auch das Wissen, die Künste… und die Natur.

Die Zerstörung des Planeten, die Millionen Flüchtlinge, die ausufernden Verbrechen, die Arbeitslosigkeit, die Misere, die Schwäche der Regierungen, die zukünftigen Kriege, alle sind sie nicht das Produkt der Exzesse des Kapitals oder einer  irrigen Umsetzung eines Systems, das Ordnung, Fortschritt, Friede und Prosperität verspricht.

Nein, all diese Malheure sind die Essenz des Systems. Es nährt sich davon und wächst auf deren Kosten.

Zerstörung und Tod sind der Brennstoff dieser Maschine Kapital.

Und die Anstrengungen, sein Funktionieren zu „rationalisieren“ und zu „humanisieren“, sind, waren und bleiben unnütz. Das Irrationale und Inhumane sind Grundbauteile des Systems. Eine Korrektur ist nicht möglich. Das war es früher nicht und heute kann man nicht einmal seinen Gang in die Kriminalität abschwächen.

Die einzige Möglichkeit, die Maschine zu stoppen, heißt, sie zerstören.

Im aktuellen Weltkrieg, sind das System und die Menschheit Gegner.

Deshalb ist der antikapitalistische Kampf ein Kampf um Menschlichkeit.

Wer aber das System „ordnen“ oder „retten“ will, empfiehlt uns realiter den globalen Massensuizid als ein posthumes Opfer an die Macht.

Im Rahmen des Systems gibt es keine Lösung.

So reichen auch weder Abscheu noch Verurteilung, weder Resignation noch die Hoffnung, dass das Schlimme vorbei ist und die Dinge sich nur zum Bessern wenden können.

Nein. Sicher ist, dass es schlimmer wird.

Aus diesen Gründen und jenen, die jeder von uns aus seinen besonderen Programmen und seiner Geographie hinzufügen kann, benötigt es Widerstand, muss man rebellieren, ist es notwendig „NEIN“ zu sagen und organisiert zu kämpfen.

Dafür muss man den Wind des Widerstands, der Rebellion organisiert von unten entfachen. 

Nur so werden wir überleben. Nur so wird es möglich sein zu leben.

Und nur dann, das sagten wir schon vor 25 Jahren, können wir feststellen:

Wenn die Mühsal abnimmt,

wenn der Regen und das Feuer die Erde erneut in Frieden lassen,

wird die Welt nicht mehr diese Welt sein, sondern etwas besseres

Teil II : Der Krieg und die inneren wie äußeren Mauern

Teil III: Gegen das Kapital und seine Mauern – der ganze Bruch

Testo originale: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2017/02/14/los-muros-arriba-las-grietas-abajo-y-a-la-izquierda/

Fonte: Comune Info

Übersetzer: Günter Melle

 

 

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