Der brasilianische parlamentarische Staatsstreich –

ein Angriff auf das öffentliche Wohl

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Leonardo Boff

Quelle: Brasil 247, 6.1.2017

Leonardo Boff (* 14. Dezember 1938 in Concordia, Santa Catarina) ist ein brasilianischer katholischer Theologe. Er ist einer der Hauptvertreter der Befreiungstheologie und versucht, seine Kirche auf die Verteidigung der Menschenrechte für die Armen zu verpflichten. Im Folgenden ein Beitrag des brasilianischen Schriftstellers zum neoliberalen Staatsstreich, der die legitime Präsidentin Dilma Rousseff ablöste. (Übersetzt von Günter Melle)

Der Staatsstreich wurde (am 31. August 2016) von den anti-nationalen Geldoligarchien in Szene gesetzt. Sie haben das Parlament benützt, um die Schande ihres Mangels an Ethik und nationalem Gefühl vorzuführen. Mit dem Staatsstreich beabsichtigen sie, die größte Scheibe des nationalen Reichtums für sich abzuleiten. Das wurde durch Männer von Rang und Namen angeprangert, unter ihnen: Luiz Alberto Moniz Bandeira, Jessé Souza, Bresser Pereira.

Man ist dabei, die Nation zu demontieren, was die Einsetzung eines erzkonservativen und raubgierigen Neoliberalismus bedeutet. Der annulliert praktisch die sozialen Errungenschaften, die den Millionen Armen zu Gute kamen, negiert ihre Rechte zum Lohn, zu den Arbeitsbedingungen und Renten. Er reduziert und liquidiert geradewegs fundamentale Projekte wie Bolsa Familia, Minha Casa Minha Vida, Luz para Todos, Fies (Fundo de Financiamento Estudiantil) sowie weitere Institutionen, die den Jungen und Mädchen in der Armut, Zugang zu einer technischen oder höheren Ausbildung ermöglicht.

Es ist hauptsächlich die Gruppe der Putschisten, die mit dem Ausverkauf kollektiver Güter,  so Teile der Petrobras, begonnen hat und die nationales Eigentum zum Kauf anbietet. Privatisierung bedeutet immer Verringerung der Güter des Gemeinwohls  dadurch, dass sie in Privatbesitz übergehen. Man wendet sich gegen alles, was heute unter „solidarischen Rechten“ verstanden wird, die das Einzelinteresse dem Allgemeininteresse unterordnen.

Die beiden wichtigsten Säulen, die in der Historie das Gemeinwohl bildeten, werden geschliffen: Dei Teilhabe der Bürger (aktive Bürgerschaft) sowie die Kooperation aller. An ihre Stelle setzt die aktuell aufgezwungene Ordnung der Putschisten die Rentabilität, Flexibilisierung, Anpassung und Wettbewerbsfähigkeit. Die Freiheit des Bürgers wird durch die Freiheit der Kräfte des Marktes ersetzt, die Wohlfahrt durch privates Glück und die Kooperation durch den Wettbewerb.

Teilhabe und Kooperation gewährleisten die Basis des gesellschaftlichen Interesses. Werden diese Werte negiert, wird jegliche Existenz weder sozial garantiert noch die daraus resultierenden Rechte (nem seus direitos afiançados) respektiert. Als Konsequenz ist man gezwungen, sich der eigenen Rechte zu versichern. So wächst ein ungesunder Individualismus, begleitet von Wellen des Hasses, der Homophobie, des Machismus und jeglicher Art der Diskriminierung.

Das Ziel der derzeitigen Staatslenker, die sich bereits als inkompetent und einige sogar als dement gezeigt haben, ist es: der Markt muss gewinnen die Gesellschaft muss verlieren. Voller Naivität glauben sie, dass der Markt alles regelt und löst. Wenn also die Dinge so stehen, warum dann das Gemeinwohl fördern? Die Wohlfahrt wurde delegitimiert, das Gemeinwohl wurde in eine ungewisse Lage entlassen.

Es gilt zu entlarven, dass je mehr privatsiert wird, destomehr das Privatinteresse zum Nachteil des Allgemeininteresses legitimiert wird. Darüber hinaus wird der Administrator des Allgemeininteresses, der Staat, geschwächt. Man zwingt uns einen kapitalistischen Killer auf. Welch soziale Perversion und welche Barbarei erleiden die sozialen Bewegungen, diejenigen, die aus der Armut in die Misere gedrängt werden, die populären Parteien und die brasilianische Intelligenz, die Sinn für die Nation und die Unabhängigkeit unseres Landes haben?

Klären wir jedoch den Begriff des Gemeinwohls. Auf infrastruktureller Ebene bedeutet Gemeinwohl den gerechten Zugang zu den gesellschaftlichen Basisgütern wie Nahrung, Gesundheit, Wohnung, Energie, Sicherheit und Kommunikation. Auf sozialer Ebene bedeutet er ein zufriedenes materielles und humanes Leben in Würde und Freiheit in einem friedlichen Ambiente des Zusammenlebens.

Mit dem Augenblick, da die ungerechte aktuelle Ordnung das Gemeinwohl abbaut, ist es wieder zu rekonstruieren. Dazu braucht es die Hegemonie der Kooperation und nicht den Wettbewerb. Alle das Allgemeininteresse tangierenden Kräfte müssen organisiert werden, um Widerstand zu leisten,  um Druck zu machen und auf die Straße zu gehen.

Andererseits kann das Gemeinwohl nicht anthropozentrisch konzipiert werden. In heutiger Zeit hat sich das Bewusstsein der gegenseitigen Abhängigkeit (interdependência) aller Lebewesen, mit sich und der Umwelt in der wir leben, entwickelt. Wir als menschliche Wesen stellen, wenn auch ein besonderes Bindeglied dar in der Gemeinschaft des Lebens und wir sind auch für das Gemeinwohl dieser Lebensgemeinschaft verantwortlich. Wir können weder unser Land verkaufen noch die Territorien der wahren Herren unseres Landes, der Indigenos, dezimieren und wir können auch nicht wegschauen bei der hemmungslosen Entforstung Amazoniens.

Wir Menschen haben die gleichen konstitutiven physisch-chemischen Voraussetzungen, die den genetischen Code alles Lebenden darstellen. Von daher stammt die objektive Verwandtschaft aller Lebewesen wie es Papst Francesco in seiner Enzyklika der integralen Ökologie hervorgehoben hat. Deshalb bedeutet die Natur zu behüten und zu verteidigen, uns zu behüten und zu verteidigen, da wir ein Teil von ihr sind. Aus diesem grundsätzlichen Verständnis, kann das Gemeinwohl nicht nur menschlich sein, sondern gehört der ganzen Erden- und Biogemeinschaft mit der wir das Leben und Schicksal teilen.

Kooperation stärkt sich durch mehr Kooperation. Darauf ist die geheime Lymphe zurückzuführen,  die permanent das Gemeinwohl nährt und stärkt, welches von den Kräften angegriffen wird, die den Staat okkupiert haben. Sie artikulieren das Interesse weniger gegen das Gemeinwohl aller anderen.

6. Januar 2017

Leonardo Boff: Brasile, il colpo di Stato parlamentare come assalto al bene comune

Pubblichiamo la traduzione di un articolo del teologo e scrittore brasiliano Leonardo Boff, esponente della teologia della liberazione, sul golpe neoliberista che ha destituito la legittima presidente Dilma Rousseff.

Il golpe è stato promosso (il 31 agosto 2016) dalle oligarchie danarose e antinazionali che hanno usato un parlamento da far vergogna per la mancanza di etica e di sentimento nazionale; con il golpe esse vogliono drenare la maggior fetta della ricchezza nazionale a proprio vantaggio. Questo è stato denunciato da nomi significativi come, fra gli altri,  Luiz Alberto Moniz Bandeira, Jessé Souza, Bresser Pereira.

È in corso lo smontaggio della nazione. Ciò significa l’insediamento di un neoliberismo ultraconservatore e predatorio che praticamente annulla le conquiste sociali a favore di milioni di poveri e miserabili, togliendo loro i diritti che concernono il salario, il sistema di lavoro e delle pensioni oltre a ridurre e addirittura liquidare progetti fondamentali come Bolsa Família, Minha Casa Minha Vida, Luz para Todos, Fies (Fundo de Financiamento Estudantil) e altri istituti che hanno permesso ai figli e alle figlie della povertà l’accesso allo studio tecnico o superiore.

Soprattutto il gruppo  golpista ha cominciato a mettere all’asta beni collettivi come parte della Petrobras e a porre in vendita terre nazionali. La privatizzazione significa sempre una diminuzione del bene di interesse generale che passa nelle mano dell’interesse privato. Si accaniscono contro ciò che oggi si chiama “diritti di solidarietà” che subordinano gli interessi personali a quelli collettivi e comuni.

Vengono erosi i due pilastri fondamentali che storicamente hanno costruito il bene comune: la partecipazione dei cittadini (cittadinanza attiva) e la cooperazione di tutti. Al loro posto l’attuale ordine imposto da coloro che hanno compiuto il golpe sottolinea le nozioni di redditività, flessibilizzazione, adattamento e competitività. La libertà del cittadino è sostituita dalla libertà delle forze del mercato, il bene comune dal bene personale e la cooperazione dalla competitività.

La partecipazione e la cooperazione assicuravano la base dell’interesse comune. Negati questi valori, l’esistenza di ciascuno non è più garantita socialmente né i diritti rispettati. Di conseguenza ciascuno si sente costretto ad assicurarsi i propri. Così nasce un individualismo oppressivo, accompagnato da onde di odio, omofobia, machismo e ogni tipo di discriminazione.

L’obiettivo degli attuali gestori, già riconosciuti incompetenti, alcuni addirittura dementi, è: il mercato deve guadagnare e la società deve perdere. Ingenuamente credono anche che è il mercato che regolerà e risolverà tutto. Se così stanno le cose, perché costruire il bene comune? È stato delegittimato  il benessere sociale, il bene comune è stato abbandonato  nel limbo.

Ma bisogna denunciare che quanto più si privatizza tanto più si legittima l’ interesse personale a discapito dell’interesse generale, oltre a indebolire lo Stato, amministratore dell’interesse generale. Ci stanno imponendo un killer capitalismo. Quanta perversione sociale e barbarie  sopporteranno i movimenti sociali, coloro che dalla povertà vengono gettati nella miseria, i partiti di radice popolare e l’intelligenzia  brasiliana che hanno il senso  della nazione e della sovranità del nostro paese?

Ma chiariamo il concetto di bene comune. Sul piano infrastrutturale il bene comune è il giusto accesso di tutti ai beni comuni di base come alimentazione, salute, abitazione, energia, sicurezza e comunicazione. Sul piano sociale è la possibilità di condurre una vita materiale e umana soddisfacente in dignità e libertà in un ambiente di pacifica convivenza.

Dal momento che l’attuale ordine ingiusto lo sta smantellando, il bene comune ora deve essere ricostruito. Per questo bisogna dare egemonia alla cooperazione e non alla competizione e organizzare tutte le forze coinvolte nell’interesse generale per resistere, incalzare e scendere in piazza.

Dall’altro lato il bene comune non può essere concepito antropocentricamente. Oggi si è sviluppata la presa di coscienza dell’interdipendenza di tutti gli esseri con tutti e con l’ambiente in cui viviamo. Noi in quanto umani siamo un anello, sebbene specifico, della comunità di vita e siamo responsabili anche per il bene comune di questa comunità di vita. Non possiamo vendere le nostre terre né rinunciare a demarcare i territori indigeni, dei padroni originari del nostro paese, né possiamo trascurare la deforestazione sfrenata dell’ Amazzonia in corso.

Noi umani abbiamo gli stessi elementi fisico-chimici costitutivi con i quali è costruito il codice genetico di tutto il vivente. Da ciò discende una parentela oggettiva fra  tutti gli esseri viventi come ha sottolineato papa Francesco nell’enciclica sull’ecologia integrale. Per questo prendersi cura e difendere la natura è prendersi cura e difendere noi stessi, in quanto siamo parte di essa. In ragione di questa comprensione il bene comune non può essere solo umano, ma di tutta la comunità terrena e biotica con la quale condividiamo la vita e il destino.

Cooperazione si rafforza con maggiore cooperazione, in quanto qui risiede la linfa segreta che alimenta e rinvigorisce in modo permanete il bene comune, aggredito dalle forze che occupano lo Stato e le sue articolazioni nell’interesse di pochi e contro il bene comune di tutti gli altri.

6 gennaio 2017

Fonte: Brasil 247

(Traduzione di Teresa Isenburg)

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