Deutsche Regierungen sind Spezialisten für das Nichtbezahlen ihrer Schulden

von Paolo Ferrero publiziert in: ilfattoquotidiano.it am 29.06.2015

220px-Paolo_Ferrero-tn.jpgPaolo Ferrero war unter Präsident Romano Prodi (Mai 2006 – Mai 2008) Sozialminister. Er ist Mitglied der italienischen Partei Kommunistische Neugründung und bekennender Christ in der protestantischen Kirche der Waldenser.

Die deutschen Regierungen, gerade auch diejenige, die ihr unerbittliches Urteil über Griechenland gefällt hat und alles zu seiner Destabilisierung versucht, um das anstehende Referendum zu verhindern, sind Spezialisten, wenn es um die Nichtbezahlung ihrer Schulden geht.

Im Laufe des letzten Jahrhunderts war dies drei Mal der Fall. Das erste Mal nach dem ersten Weltkrieg, das zweite Mal 1953 und das dritte Mal nach der Wiedervereinigung 1990. Schauen wir uns das kurz an.

1923 führte eine Hyperinflation zum totalen Wertverlust der deutschen Mark, zum Default und zur Aussetzung der Reparationszahlungen der deutschen Regierung. Der u.s.amerikanische Dawesplan, der 1924 eine neue Währung auferlegte, sah vor, dass die Deutschen ihre Schulden einlösen können, wenn sie eine Schuldanleihe in Höhe von 800 Millionen Goldmark auf dem internationalen Finanzmarkt aufnehmen. Es handelte ich nach allen Regeln der Kunst um einen äußerst hohen internationalen Kredit an die Deutschen, damit sie ihre Schulden zahlen konnten.

1928 kam es jedoch zu einer Neuverhandlung der Schulden und dem Ergebnis einer Reduktion der Ratenzahlungsquote sowie einer enormen Verlängerung der Tilgungslaufzeit auf 60 Jahre (Youngplan).

1933 gewannen die Nazis die Wahlen und machten Schluss mit der Bezahlung der Schulden und auferlegten Reparationen. In den darauf folgenden Jahren überfielen sie ihre Nachbarn und kaum angekommen, vergaßen sie dabei nie, deren Kassenschränke zu leeren.

1953, nach dem zweiten Weltkrieg machte Deutschland erneut Kassensturz, um seine Schulden nicht bezahlen zu müssen. Am 27. Februar 1953 wurde auf der Konferenz von London die Streichung von circa 2/3 (62,6%) der deutschen Schulden beschlossen. Die Schulden vor dem Krieg wurden von 22,6, auf 7,5 Milliarden DM reduziert und die Schulden der Nachkriegszeit von 16,2 auf 7 Milliarden DM. Über den Schuldenschnitt hinaus erhielt Deutschland auch einen gewaltigen Aufschub: es erhielt 30 Jahre Zeit, um die Schulden in Raten abzutragen. Das Abkommen wurde von der Bundesrepublik Deutschland mit 22 Länder unterzeichnet: darunter war Griechenland.

Auf der Konferenz wurde jedoch eine Klausel verabschiedet: sie bezog sich auf die Schulden, welche die hervorgerufenen Kriegsschäden betraf. Ihre Klärung wurde auf eine zukünftige Periode im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands verschoben.

1990, als die Wiedervereinigung stattfand, zögerte Deutschland keinen Augenblick seine Verpflichtungen zur Zahlung der Kriegsreparationen, die es 1953 auf der Londoner Konferenz eingegangen ist, zu erfüllen.

Helmut Kohl weigerte sich, den Vertrag von London zu den externen Schulden anzuerkennen. D.h. also, den Teil des Abkommens zu erfüllen, der vorsah Reparationszahlungen, für die durch den geführten Krieg verursachten Schäden, im Falle der Wiedervereinigung zu leisten. Es hat zwar einige Zahlungen geleistet, dabei handelt es sich jedoch um minimale Beträge. Deutschland hat also seine Rechnung nach 1990, mit Ausnahme der Entschädigung für Zwangsarbeiter/Innen nicht beglichen. Die in den besetzten Ländern erhobenen Zwangsabgaben während des Zweiten Weltkrieges und die mit der Besatzung verbunden Schäden wurden niemandem ersetzt. Auch nicht Griechenland.

Zu vermerken sei noch, dass die Nazis den Griechen die Kosten ihrer Besatzung auferlegten. Sie haben nicht nur zerstört und getötet, sondern das Land auch buchstäblich ausgeraubt… Wenn man die Inflation nach 1945 mit einbezieht hat Deutschland an Griechenland enorme Schulden zu begleichen. Sie wurde auf 162 Milliarden Euro kalkuliert, was also nicht gerade Peanuts bedeutet…

Das sind nun die Regierenden Deutschlands, die sich moralisch über die Griechen und ihre Regierung empören. Sie regieren eine Nation, die – nach dem begonnenen Weltkrieg – durch den Marshallplan wieder auf die Füße kam. Diese Nation hat den Kontinent zerstört und Millionen Toter verursacht. Diese Nation, ihre Regierung und ihr Volk haben niemals ihre eigenen Schulden bezahlt.

Und gerade deshalb und der erhaltenen Hilfen konnte Deutschland wieder zur Weltmacht werden. Es ist gut daran zu erinnern, während diese Nation versucht, ein zweites Mal das griechische Volk zu töten.

(Übersetzt von Günter Melle)

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