Der Wiederaufbau von Gaza, ist ein anderer Krieg

29/08/2014 Autor: fabio sebastiani

Kaum nach Beginn des Waffenstillstandes, zeigte sich der Preis, den die Bevölkerung für die Kriegshandlungen in seinen katastrophalen Ausmaßen zu zahlen hatte. In den ersten Stunden des Tages wuchs eine Welle von Menschen, die zu den am meisten zerstörten Stadtteilen zog: Beit Hanun, Sajaya, Khuzaa. Wer das über`s Fernsehen verfolgte, sah mit offenem Mund die weggefegten Wolkenkratzer und vollständig zerstörte Stadtteile. Manche waren damit beschäftigt, die große Verwüstung ungläubig zu fotografieren. Der Krieg ist für die Palästinenser wie eine schwarze Klammer zwischen Begriffen „Besatzung“ und „Embargo“. Beunruhigend ist, wie Netanjahu die Anzahl der Toten, auf die Hamas anspielend, als tausend getötete Terroristen illustrierte. Die Rechnung hält nicht stand. Die verlogene Propaganda des Davidsterns hat das palästinensische Volk ein zweites Mal getötet: In Gaza starb das einfache Volk. Die ganze Welt hat es gesehen, aber Israel leugnet es weiterhin.

Die Zelte der Trauer

Und dann sah man auch die Trauer. Seit gestern sind die traditionellen Zelte der Trauer aufgebaut worden. In ihnen empfangen die Familien der Gefallenen die Trauergäste. Sie wuchsen wie die Pilze im Regen aus dem Boden. Es waren hunderte in diesem Zipfel Erde, der gerade zweimal so groß ist wie Mailand.In den Gassen sah man trauernde Personen, die von Zelt zu Zelt gingen, um Worte des Trosts zu wechseln. Diejenigen, die zuhause eingesperrt waren, nützten den ersten friedlichen Tag, um zu sehen wie viele noch in die Krankenhäuser eingeliefert werden. Es sind nun circa 10000 Palästinenser in Behandlung und um es komplett zu machen, 2200 Tote, davon ein Viertel Kinder sowie eine impressionante Anzahl Wohnungsloser. Letztere beträgt circa 300000. Während des Konflikts wurden die Kosten des Wiederaufbaus auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Die momentanen Hilfen belaufen sich auf wenig mehr als 100 Millionen.

In den Schulen herrscht eine Atmosphäre des Notstands

Sie wurden geöffnet, um 300000 Menschen Obdach zu gewähren. Doch in einigen Tagen werden sie für das neue Schuljahr gebraucht. Für die Obdachlosen werden Zeltstädte und Mietgelegenheiten organisiert werden müssen.

Was an Häusern nicht zerstört wurde, ist beschädigt

Es gibt praktisch kein Haus mehr in Gaza, das nicht beschädigt ist und bei der Bevölkerung steht nunmehr auf der Tagesordnung, Baumaterial zu beschaffen. Mit der Wiederöffnung der Grenzen zu Israel erhält diese Aufgabe absoluten Vorrang, um sowohl die Reparaturen, wie auch die Arbeitslosigkeit anzugehen, die in den letzten zwei Monaten weiter angestiegen ist.

Kindheit gibt es nicht mehr

Dieser Konflikt, der fünfzig Tage andauerte, ist der längste zwischen Israel und den Palästinensern. In den vergangenen sieben Wochen wurden täglich durchschnittlich 12 Kinder getötet und 77 verwundet. 25 dieser verwundeten Kinder sind in einem Zustand der permanenten Behinderung. Jeden Tag wurden durchschnittlich 6 Schulen beschädigt. 435 Familien haben ihre Häuser verloren und 37 Kinder wurden zu Waisen. Alle Kinder zusammen stellen die Hälfte der 1,8 Millionen Personen, die in Gaza leben. Nach Ansicht der Vereinten Nationen benötigen sie psychosoziale Betreuung.

Der Wiederaufbau, ein anderer Krieg

Der Wiederaufbau wird lange dauern. Das einzige Elektrizitätswerk wurde durch das israelische Bombardement funktionsunfähig. Seine Instandsetzung wird Monate dauern. Die „Politik der Entzweiung“ durch Israel isoliert den Gazastreifen ökonomisch, sozial und politisch von Cisjordanien. Darüber hinaus schafft sie Armut und negiert die grundlegenden Rechte der Bevölkerung. Sie unterläuft die Möglichkeit zu einer Lösung der Koexistenz beider „Staaten“ zu gelangen. Die Blockade des Gazastreifens hat die Jahre über verhindert, dass Bauern, Produzenten und Unternehmen ihre Produkte auf den Märkten Cisjordaniens verkaufen.

Mit dem Embargo kann man nicht leben

Der Export aus Gaza ist nunmehr auf 2% reduziert, gemessen an dem Niveau der Periode, die dem Beginn des Embargo von 2007 vorausging. Die Blockade hatte äußerst harte Einschnitte im täglichen Leben der Bevölkerung zu Folge: weder Familien, noch weniger Geschäftsleute oder Funktionäre der Regierung konnten frei zwischen Gaza und Cisjordanien reisen. In den letzten 14 Jahren hatten nur 3 Studenten die Erlaubnis in Cisjordanien zu studieren. Hinzu kommt die schlimme Situation in der sich der Fischereisektor befindet, der doch lebenswichtig ist für die Ökonomie des Gazastreifens: Den Fischern ist es verboten, sich mehr als einige Kilometer von der Küste zu entfernen, mit anderen Worten: sich etwas zu verdienen, um zu leben.

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