Saudi-Arabien – Israel, die Anti-Gaza Achse

Tariq Dana, 04.8.2014  …

AchseSaudiArabien_Israel.pdf (deutsch/italienisch/englisch)

Die israelische Aggression gegen Gaza hat das bestätigt, was wir schon über die freundlichen Beziehungen zwischen Israel und einigen arabischen Regimes wussten. Dieses Mal jedoch hat das sogenannte „Bündnis der Moderaten“ eine strategische Allianz mit Israel geschmiedet und sie hat eine offensichtliche Feindseligkeit gegenüber dem palästinensischen Widerstand an den Tag gelegt. Und auf ein Neues, entsprechend der Logik, die 2006 zu einer antagonistischen Position gegenüber der Hisbollah führte, wurde der palästinensische Widerstand beschuldigt, Israel in einen blutigen Krieg verwickelt zu haben, nahm die Achse die zionistische Rechtfertigung des Rechts Israels auf Selbstverteidigung wieder auf.

Die palästinensische Sache diente immer als Rechtfertigung für das Überleben diktatorialer Regimes in der Region. Die Mehrheit der arabischen Staaten bekundete für gewöhnliche ihre unehrliche Solidarität für die palästinensische Sache und unterhielt gleichzeitig diplomatische, ökonomische und Sicherheitsbeziehungen mit Israel. Diese Politik ist heute noch gültig und wird von vielen Ländern, wie u.a. Saudi Arabien, Ägypten und Arabische Emirate, klar vollzogen. Sie zeigt ein wachsendes Heranrücken an Israel und hegt die offenkundige Erwartung, dass Israel endgültig die Hamas vernichtet und mit ihr jegliche Kraft des Widerstandes und somit die Kontrolle über Gaza an die Palästinensische Autonomiebehörde zurückgegeben werde.

Wenn Ägypten als Hauptakteur dieses Netzes scheint -angesichts seines regionalen historischen Gewichts, der Kontrolle der Grenzen zu Gaza, seiner Vorschläge zur Feuereinstellung und seiner Rolle als Vermittler zwischen Palästinensern und Israelis – so ist es doch in Wirklichkeit Saudi Arabien, das führt, finanziert und die Achse einer Anti-Resistence vorantreibt. Trotz seiner entscheidenden Rolle ist Ägypten nicht mehr eine führende Regionalmacht, die fähig wäre, der Region ihren Willen zu diktieren. Die militärische Führerschaft hat im Gegenteil das ägyptisch politische System zu einem Marionettensystem, im Dienst der saudischen Interessen und derer der Golfstaaten, transformiert. Letztere stehen offensichtlich den realen Interessen der Ägypter entgegen. Was Gaza angeht, ist Ägypten der Kanal durch den die Saudis ihr Diktat durchsetzen, das darauf gerichtet ist, die Infrastruktur des Widerstandes im Gazastreifen zu beeinträchtigen und ihre Fähigkeit der Abwehr israelischer Aggressionen zu schwächen.

Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die wachsende Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien gut organisiert ist. Unter allen sei zu bemerken, dass beide Länder ideologisch kompatibel sind, da beide die respektiven Religionen für ihre faschistischen Ziele ausnützen, manipulieren und versklaven. Das Resultat ist das Auftauchen politischer rassistischer und gewalttätiger Ideologien als Lebenselixier für Mord und Blutbäder in der Region. Das stillschweigende Einvernehmen zwischen saudischem Wahhabismus und israelischem Zionismus bei dem Zerstörungswerk in der Region ist das natürliche historische Resultat beider Ideologien.

Wenn auch die Bande zwischen Israel und den Saudis nicht durch einen Friedensvertrag legalisiert sind, konnte man doch, in den vergangenen Jahren, einer Intensivierung der Beziehungen zwischen den beiden beiwohnen. Das betrifft besonders den Sicherheitsbereich, den Handel und reguläre Treffen der politischen Funktionäre. Der Beginn von Handelsbeziehungen fällt in das Jahr 2005 als die Saudis das Ende des Verbots des Imports israelischer Güter und Dienstleistungen bekannt machten. Die Normalisierung auf ökonomischem Gebiet zwischen Saudis und Israelis erfolgte als die palästinensische Zivilgesellschaft mit der globalen Kampagne (BDS) des Boykotts begann, um internationalen Druck aus ökonomischer Sicht auf Israel auszuüben.

Nichtsdestoweniger war es die israelische und saudische paranoide Besessenheit von Sicherheit, welche die gemeinsamen Interessen ans Licht brachten und ihre Allianz hinter den Kulissen festigte. Zu Beginn der Sechzigerjahre kooperierten Saudis, Israelis und Amerikaner gegen die Sowjetunion bei der Bildung und Unterstützung afghanischer Gruppen und der arabischen Mudschaheddin. Später haben die gleichen Gruppen Al Qaeda und heute die Front Al-Nusra und die Is ins Leben gerufen.

Israel und Saudi-Arabien spielten auch in den Neunzigerjahren eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der nordamerikanischen Aggression gegen den Irak sowie der Besetzung und Zerstörung des irakischen Staates und seiner Gesellschaft im Jahr 2003. Die gemeinsamen Interessen von Israelis und Saudis wurden noch deutlicher im Handeln gegen den wachsenden regionalen Einfluss des Iran. Beide haben regelmäßig die gleichen Positionen bezogen und versucht die USA-Administration in Richtung Angriff auf den Iran zu drängen. Als Teil dieses indirekten Krieges gegen den Iran, haben Israel und Saudi-Arabien unter nordamerikanischem Schutz gemeinsam terroristische Gruppen gegründet, finanziert und ausgerüstet. Dies geschah zu dem Zweck, Syrien, den Libanon und den Irak zu destabilisieren und entlang sektiererischer und religiöser Linien zu teilen.

Die vieldeutige saudische Unterstützung der Aggression Israels gegen Gaza hat unterschiedliche Formen angenommen. Wie üblich ist der erste Schritt der saudischen Oligarchie, die Mobilmachung des wahhabitischen Netzwerks gewesen, damit dieses eine religiöse Rechtfertigung biete. Der große Mufti verhängte eine Fatwa gegen die Pro-Gaza Bewegung, definierte sie als „unnütz und demagogisch“. Und zweitens haben die Saudis den palästinensischen Widerstand beschuldigt, die israelischen Massaker in Gaza herauszufordern. Ihr König der Analphabeten ging darüber hinaus, indem er sagte, dass die Hamas und die Kräfte des Widerstands „sich vom Bild des Islam in seiner Reinheit und Humanität entfernt und es durch ihre Aktionen, ihre Ungerechtigkeit und ihre Verbrechen mit jeder Art schlechter Qualität beschmutzt haben beschmutzt haben.“ Es überrascht uns nicht, Berichte zu lesen, die von regelmäßigen Treffen der saudischen, israelischen und ägyptischen Geheimdienste berichten, auf denen die Fortschritte des Krieges diskutiert und die nächsten Schritte entschieden werden. Nicht zuletzt das Eingestehen seitens israelischer Funktionäre, dass Israel wie nie zuvor seine Präsenz in einer notwendigen regionalen Koalition gesteigert hat.

Die gewachsene Fähigkeit des Widerstands in Gaza eine hohes Niveau der Abschreckung zu erhalten ist ein Zeichen der Niederlage Israels und seiner Alliierten in der Region. Wer Israel unterstützt, um den palästinensischen Widerstand zu zerstören, ist erneut enttäuscht worden, wie es 2006 mit dem Sieg des libanesischen Widerstands geschah. Besonders Saudi-Arabien ist zum hauptsächlichen regionalen Unterstützer der israelischen Aggression geworden. Das ist keine Überraschung, sind doch die saudisch wahhabitische Ideologie und der israelische Zionismus zwei Seiten einer Medaille.

Tariq Dana ist Professor und palästinensischer Wissenschaftler sowie politischer Analyst bei Al-Shabaka

übersetzt aus dem Italienischen v. Roberto Greco

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