Aussichten 2014

Beginnen wir mit „Requiescant“, einem Western von Carlo Lizzani, um dem medialen Geschmack entgegen zu kommen. Ja hier ist doch alles noch einfach: das Déjà-vu eines Massakers, Rassismus und Präpotenz aber auch die Unschuld der Gegengewalt. Die hat im Film den Vorteil, sich völlig rein und ohne verloren zu gehen, aus der Handlung verabschieden zu können. Einer der Protagonisten, mit abgetragenem Sombrero und Poncho ist kein geringerer als Pier Paolo Pasolini. Am Rande bemerkt, es sind in dem 1966 gedrehten Film auch langjährige Weggefährten des im November 1975 ermordeten italienischen Intellektuellen anzutreffen. P.P.P. spielt PadreRequiescant8 Juan, Ninetto Davoli einen Pistolero, der von der reaktionären auf die Seite des Widerstands wechselt und Franco Citti, der in Pasolinis Erstfilm Accattone im Jahr 1961 Protagonist war, spielt einen skrupellosen, dem Aristokraten und Großgrundbesitzer Ferguson absolut hörigen Sadisten, der auf der Lohnliste dieses Vertreters des alten Mexiko steht. An dieser Stelle, wird 2014 des öfteren von Pasolini die Rede sein. Er ist einer der wenigen Intellektuellen  Europas, der sich radikal mit den herrschenden Verhältnissen auseinandersetzte und recht früh die globale neoliberale Entwicklung intuitiv und intellektuell erfasste und sich dabei oft genug zwischen alle Stühle (auch die der kommunistischen Linken) setzte.

Am 24. Juni 1974 veröffentlichte er im Corriere della Sera seinen Essay „Der wahre Faschismus und daher der wahre Antifaschismus“. Er war Anlass einer in Italien länger öffentlich geführten Polemik innerhalb der Linken, auf die noch weiter einzugehen wäre. Zunächst soll aber hier in deutscher Übersetzung auf diesen später auch in den sog.  „Korsarenschriften“ wiederzufindenden Aufsatz aufmerksam gemacht werden.

Zunächst aber zum Lokalen. In zwei Tagen wird der ver.di Ortsverein seinen Neujahrsempfang geben. Der ist diesmal etwas abweichend von früheren Konzepten, insofern eine Projektgruppe für die kulturelle Gestaltung des Abends sorgen wird. Sie hat eine Revue über die Geschichte von Kultur des Widerstands vorbereitet (Flyer Neujahrsempfang) und es sei deshalb gespannt dem Abend entgegenzusehen.

Wir werden hier natürlich auch weiter über lokale Ereignisse und Veranstaltungen berichten, soweit es die Zeit erlaubt. Denn: wichtig ist die Teilnahme an den Kämpfen vor Ort, ihre Abbildung und Kommentierung wäre vielleicht auch ein möglicher Beitrag der Leserschaft dieses Blogs.

Soziale Kämpfe in Europa (v.a. Osteuropa) wird weiteres Thema dieses Blogs sein. Es geht um ein anderes Europa, wer das will, muss sich mit dem jetzigen, dem  Europa der Armutsentwicklung, des Fiskalpaktes und der Troika, dem Europa der Oligarchien und der führenden kapitalistischen Nationen auseinandersetzen. Nur ein kurzes Zitat von Thomas Mann, bereits genial 1947 zu Europa angemerkt:

„Man wird den Kontinent Deutschland ‚anvertrauen‘. Aber ob ein deutsches Europa auch ein europäisches Deutschland bedeuten wird? Ich zweifle…“

Ach, noch die Schlagzeile von heute: Hartz unterstützt Hollande. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Empfehlung eines Puffs in Brasilien oder er erklärt ihm den Erfolg von Hartz IV.

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