Dem Weltsozialforum 2013 in Tunesien entgegen

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Quelle. CGIL (Confederazione Generale Italiana del lavoro)

Die Aktivisten des Sozialforums haben sich in Monastir getroffen. Die von den Phöniziern gegründete Stadt bildet das Eingangstor zur Sahelzone. Sie liegt im Herzen des Mittelmeerraums, drei Autostunden von der tunesischen Hauptstadt entfernt. In Monastir liegt auch die Grabstätte von Ḥabīb Būrgība, der als Vater des unabhängigen Tunesien verehrt wird. Hier wurden die Vorbereitungen für das nächste Weltsozialforum (FSM/WSF)) getroffen, das im kommenden März, sofern es die politische Wetterlage erlaubt, in Tunesien stattfinden wird.

Das Vorbereitungsmeeting wurde im biotechnologischen Institut und im Ratssaal der Gemeinde vom 13.-17. Juli abgehalten. Über 1500 Teilnehmer waren zu verzeichnen, die vorwiegend aus den Regionen des Maghreb und Maschrek kamen, anwesend waren aber auch qualifizierte Repräsentanzen der Netzwerke und Assoziationen aller Kontinente.

  

Es gab Berichte über die laufenden Demokratieprozesse in der Region und ein Erfahrungsaustausch der Bewegungen wie Occupy Wall Street, Indignados, Forum Kroatien, Bewegung Y’en a Marre Senegal, Bewegung F20 Marokko. Im Mittelpunkt stand aber das Thema nächstes Weltsozialforum: wo beginnen, wie organisieren, welche partizipativen Methoden und Abläufe vorschlagen. Zur Diskussion stand auch die Frage wie dieses Ereignis als eine hervorragende Gelegenheit dienen kann, die laufenden Demokratisierungsprozesse in der Region und in der Welt zu unterstützen.

Es war also ein Zusammentreffen mit großen Erwartungen. Für das neu gebildete Organisationskomitee (bestehend aus Vertretern des Sozialforums Tunesien, Sozialforum Maghreb und Sozialforum Afrika) war es eine Generalprobe. Ihm oblag die delikate Aufgabe, einen besseren Ablauf als bei den vorhergegangenen Treffen auf dem afrikanischen Kontinent zu gewährleisten. Es gab nämlich heftige Kritik an ihrem organisatorischen Defizit und auch bezüglich der Methodologie und den zu sehr autonomen und wenig untereinander kommunikativen Formen an Partizipation, welche die Möglichkeiten einer strategischer Diskussion (u.a. auch über eine Aktionsplattform auf globaler Ebene) einengte. Es ist eine Kritik an der geringen politischen Synthese und Aktionsfähigkeit, die immer häufiger von vielen Teilen des globalen Netzwerkes am Sozialforum geäußert wird.

Für die Organisatoren wird die Herausforderung nicht leicht sein, aber alle sind sich einig, dass dies der Mühe Wert ist. Es bedeutet eine einzigartige Gelegenheit für die Organisationen der Jugend, der Frauen, für all die großen und kleinen Proteste, welche die Straßen und Plätze Tunesiens, Ägyptens und Marokkos füllten: für Freiheit und freie Meinungsäußerung in Algerien, für die Anerkennung der eigenen nationalen Identität, für die eigene Kultur wie bei verschiedenen diskriminierten ethnischen Minderheiten, für die staatliche Unabhängigkeit wie die Palästinenser oder für das Recht auf Selbstbestimmung wie es das Volk der Sarauis fordert, für Menschenwürde und würdevolle Arbeit. In Monastir kam dieser Enthusiasmus zum Tragen  und auch der Wille, der ganzen Welt die Kraft der Menschen des Maghreb zu demonstrieren. Sie kämpfen für den Aufbau einer besseren Gesellschaft, die auf dem gegenseitigen Respekt der Verschiedenheit, dem Respektieren der Menschenrechte, der Rede- und Koalitionsfreiheit (kelmti horra), auf Gesetzlichkeit ohne Korruption und Klientelismus gründet. Deshalb kamen sowohl die Frauen und jugendlichen Protagonisten der Revolte gegen das Ben Ali Regime, die Jugendlichen vom Tahrir Platz in Ägypten, die unabhängigen algerischen Gewerkschaften, die verschiedenen Menschenrechtsgruppen, die Gewerkschaften Marokkos, Vertreter der Bewegungen in Bahrain, im Irak, in Mauretanien und Palästina nach Monastir.

Während den Treffen wurde daran erinnert, dass die nächste Zusammenkunft, entsprechend den zu bewältigenden Problematiken, drei Foren in einem einschließt: das tunesische, das regionale des Maghreb und das globale. Für die Organisatoren und uns alle geht es darum, den richtigen Weg des Dialogs mit den neuen Institutionen der Region zu finden, die in der Regel eine religiöse, islamische Matrix haben. Es ist die Erprobung ihres wirklichen Willens, den Prozess der Demokratisierung zu respektieren. Zu respektieren, was auf den Straßen und Plätzen gegen die Regime, die Korruption und die Konzentration von Macht in Händen der Familienclans erkämpft wurde. Die Dynamik des Weltsozialforums wird in diesem Bezugsrahmen und im weiteren Rahmen der Krise des Wachstumsmodells westlicher Gesellschaften stehen (sie wird auch manchmal als Zivilisationskrise bezeichnet).

Mit diesen Überlegungen und dem Bewusstsein aller geht es zum Weltsozialforum.

Die internationale Gewerkschaft und die unabhängigen Gewerkschaften der Maghreb-Region, voran die tunesische UGTT, haben diese Herausforderung angenommen. Sie sind ein Bezugspunkt für die Bewegungen. Sie stellen ihre organisatorischen Fähigkeiten, ihre Fähigkeiten der Mobilisierung und der Vorschläge zur Verfügung. Sie sind ohne Zweifel die einzige laizistische organisatorische Kraft, die mit den anderen aggregierenden, organisatorischen Formen in diesen Ländern konkurrieren kann: mit den religiösen und militärischen Kräften. Die unabhängigen Gewerkschaften repräsentieren zusammen mit den Menschenrechtsorganisationen (den Bastionen des laufenden Demokratisierungsprozesses), Bezugspunkte aber auch Zielscheiben für diejenigen, die in die andere Richtung operieren.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass wir diese Herausforderung annehmen und die Erwartungen eines starken, entschiedenen Engagements seitens der Zivilgesellschaft, den europäischen und meridionalen Gewerkschaften sind enorm. Und begründet.

In den kommenden Monaten werden wichtige Treffen in Italien, in Mailand (vom 14.-16. September), in Florenz (vom 8.-11.November) und in anderen europäischen Ländern stattfinden. Ziel ist es ein gemeinsames Aktionsprogramm der Organisationen, Bewegungen und Gewerkschaften zu entwickeln, das den Kampf der Völker des Maghreb und Maschrek unterstützt. Es sind die Kämpfe um Demokratie, soziale Gerechtigkeit, würdevolle Arbeit, um neue Paradigmen nachhaltiger Entwicklung und Wachstum, für die wir uns aus verschiedenen Richtungen und Positionen einsetzen.       

Übersetzung: Roberto Greco

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