Europa, die Peripherie der Welt

Am Freitag, 11.02.2011 endete in Dakhar das 11. Weltsozialforum. Der nachfolgend übersetzte Bericht, versucht einen Überblick zu den wichtigen Themen und Events des Weltsozialforums zu geben.

Quelle: image Autorin: Alessandra Fava

Übersetzung: Roberto Greco

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…    “Pauvre Europe”, armes Europa rief ein Aktivist einer Ong aus der Schweiz am Ende der Pressekonferenz mit dem Ex-Präsidenten Brasiliens, Ignazio Lula da Silva, und dem Präsidenten des Senegal, Abdoulave Wade, auf der Place du Souvenir. Beide haben während des 11. Weltsozialforums in einem überfüllten Saal zu Konzepten der Antipoden diskutiert.

Lula vertritt die Idee der Nationalisierung der Unternehmen und der öffentlichen Dienstleistungen, lobt die Tatsache, dass in Brasilien die Schwelle der Armut für 28 Millionen Menschen beseitigt wurde und spricht von einem Übergang zur Utopie einer möglichen anderen Welt. “Dilma wird mehr machen und besser sein”, ruft er, und deutet auf seine Nachfolgerin Dilma Rousef, “La Delfina” hin. Die einzige Kritik unter den vielen “Ola” kommt von einem Brasilianer, der mit einem großen Plakat Lula auffordert, mit dem Stop der Staudämme zu beginnen.

Wade ist 84 Jahre alt und Präsident eines Staates von 12 Millionen Einwohner. Er regiert ihn seit 11 Jahren und will es auch noch über den Tod hinaus tun: krank und müde, versucht er seinen Sohn zu platzieren. Er ist sich seiner Macht bewusst, spricht wie ein Großvater am Kamin und zählt zu seinen Erfolgen die Erneuerung eines Gesetzes zur Gleichberechtigung und dem freien Zugang zu den Wahlen. “In der Grundschule sind sie in der Mehrheit und die besten, an der Universität gibt sind die Frauen in der Minderzahl, aber sind die fleißigsten.” Er versucht das Thema der Zwangsehen  zu vermeiden, dass Mädchen schon mit fünf oder sechs Jahren verheiratet werden, sodass sie im Alter für Universitätsstudien oft schon mehrere Kinder haben.  

Am Tag darauf nochmals Lula versus Wade im Rahmen des diplomatischen Balletts und beidseitigen Konzession an das Wsf: “Ich bin 2001 in Genua gewesen und teile vieles, was die Bewegung vertritt, aber ich bleibe ein Liberalist”, sagt Wade.

“Ich habe den Senegal als Präsident besucht und bin auf der Insel Gorèe gewesen, von wo viele Vorfahren der Brasilianer stammen”, sagt Lula. Von Europa spricht niemand, vielleicht am Rande ein Hinweis von Lula auf die Spekulationen mit Primärmaterie mit der Unterschrift Europas und den USA, welche Nordafrika in die Knie zwangen und Wurzeln der Revolten in Tunesien und Ägypten sind.

Es ist gerade das nicht Gesagte, welches den Schlüssel zur Lektüre des Sozialforums gibt. Europa ist Peripherie und interessiert niemanden. Die soziale Bewegung, nicht nur die Geopolitik, liegt heute auf der Achse BRICs, Brasilien-China und sie durchquert Afrika. Europa ist Peripherie gemessen an den Plänen Lulas, die brasilianische und afrikanischen Savannen in den größten Kornspeicher der Welt zu verwandeln, der alle mit Essen versorgt.

Europa interessiert nicht einmal den Liberalisten Wade, der enge ökonomische und militärische Beziehungen zu Sarkozy und Frankreich unterhält, wenn er über die immer stärker werdende Liaison zwischen den afrikanischen Staaten spricht, und der Unterscheidung von Staaten mit Zugang zum Petrolium in solche, die es besitzen und solche die kein schwarzes Gold besitzen.

Europa ist weit entfernt von Dakhar, es verschwindet fast. Hier gibt es viele Probleme am Essenstisch: Nahrungsouveränität, Unabhängigkeit von Einfuhren, Konstruktion von Netzwerken der Bauern gegen ihre Ausbeuter, die immer nach Zentralafrika kommen. Nein zu den Ogm, nein zu den Multinationalen, Autonomie für Frauen und v.a. ein Ende der Armut und dem Hunger.

Eine der Organisatoren des Forums, Buuba Diop, Professor für Geschichte an der Universität Dakhar, unterstreicht, dass Europa als ökonomische Macht nur noch in einigen Seminaren zählt und dass Las Palmas näher ist, als es scheint. Zum Schluss stellt sich noch eine Frage: warum hat in Europa noch niemand daran gedacht, ein Weltsozialforum zu organisieren? Vielleicht gibt es jemanden, der nach so vielen Weltsozialforen: Porto Alegre und dann Mumbai, Bamako, Caracas, Nairobi, in der Lage ist, darauf eine Antwort zu geben.

Übersetzung: Roberto Greco

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