Revolte und Spekulation

circoli il manifesto

Die Märkte in Flammen?

Il Manifesto 30.01.2011, Galapagos

Die Spekulation wartet nicht und für morgen wird auf allen Finanzmärkten der Welt ein Feuerwerk erwartet: angekündigt wird ein starker Anstieg der Quotierung von Primärmaterie, ein Abfallen an den Aktienmärkten und ein Schub zur Aufwertung von Dollar und Schweizer Franken. Sollte die Revolte von Tunesien und Ägypten andere Länder erreichen, könnte der Ölpreis in Richtung 200 Dollar pro Barrel ansteigen. Es war gerade der Rohölpreis, der nach den aus Kairo ankommenden Nachrichten am meisten reagierte.

Die Quotierungen des Brent (das Öl in der Nordsee) sind sofort gegen 100 Dollar pro Barrel gestiegen und haben sich danach leicht auf 97,24 Dollar eingependelt. Der us-amerikanische Wti (der seit Monaten entschieden niedriger als der Brent quotiert), hat die 90 Dollar Grenze pro Barrel erreicht und hat mit einem Anstieg von 4,3% mit 89,34 Dollar abgeschlossen.

Ägypten ist kein großer Produzent von Rohöl und in den letzten Jahren ist die Produktion gesunken. Die letzten Daten aus den USA quantifizieren den Output bei 750000 Barrel am Tag. Das sind etwas weniger als 40 Millionen Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich sei angeführt, dass die Produktion Saudi Arabiens bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag liegt.

Die ägyptische Erdölproduktion ist also marginal und könnte leicht ersetzt werden durch andere Exportländer und die nicht nur aus der Opec. Die Spekulation jedoch zielt auf andere Szenarien, welche Ölförderung und –Handel bremsen könnte und die Preise zum Himmel treibt. Das erste Szenario heißt Suezkanal, d.h. der Transit von Supertankern. Dort werden jeden Tag 1,5 Millionen Barrel Rohöl aus den Drittweltländern transportiert.  Wenn also der Kanal blockiert und die ägyptische Produktion reduziert wäre, würde unmittelbar 2 Millionen Barrel pro Tag wegfallen. Der Transport des Rohöls könnte zwar von den Supertankern, Afrika umgehend, fortgesetzt werden, jedoch zu wesentlich höheren Transportkosten.

Die zweite Ursache, welche die Spekulationen nährt, betrifft den Dominoeffekt: wenn sich die Volkserhebung von Tunesien und Ägypten auf wichtige Ölförderländer ausbreitet, wäre die Kacke am dampfen. Der Blick richtet sich hierbei offensichtlich auf Saudi Arabien (wo es drei Tage Demonstrationen gegen die Armut und die Teuerung gab) und auf Libyen, wo in Tripolis Anfang Januar tausende vorwiegend junge Demonstranten gegen die Teuerungen und für erschwingliche Wohnungen demonstrierten.

Der Dominoeffekt wird auch als generelle Möglichkeit für Preiserhöhungen im gesamten Bereich der Primärmaterie gesehen. Die Future auf Agrarprodukte zielen schon auf eine Erhöhung und ein Steilflug des Ölpreises würde sie noch weiter in die Höhe treiben. Dies auch, weil die Energiekomponente bei dieser Primärmaterie hoch ist. Zu den sensibelsten, auf geopolitische Ereignisse reagierenden Primärmaterien gehört das Gold. Es ist die Krisenanlage. Nicht rein zufällig hat es am Freitag mit einem Preis von 1.343 Dollar pro Unze abgeschlossen. Dies bedeutet eine Erhöhung um 2,3 %. Mit dem Gold begannen auch alle anderen Quotierungen für Edelmetalle zu steigen.

Auf dem Geldmarkt hat sich die Tendenz der Stärkung des Euro umgekehrt. Er sank auf 1,36 pro Dollar, der in politischen Krisenzeiten seine Hegemonie wiedergewinnt. Mit dem Dollar stieg auch der Schweizer Franken. Schlecht sieht es indessen an den Börsen aus. In New York fiel der Dow Jones, der die letzten 29 Monate einen Höchstand erzielte um 1,39%. Noch schlimmer ist das Abfallen des Nasdaq um 2,48 %. Morgen könnten die asiatischen Börsen  und auch die israelische den Paukenschlag bringen. Es besteht die Angst, dass die Spannungen im mittleren Orient das Wachstum bremsen und die involvierten multinationalen Konzerne in Schwierigkeiten bringen.  

(Übersetzung: Roberto Greco)

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