Guatemala: Ein Dokumentarfilm sorgt für Aufregung

Dokumentarfilme laufen in Deutschland zu nachtschlafender Zeit. In Guatemala, so schreibt der taz-Autor Toni Keppeler, „können sie dagegen noch für Aufregung sorgen“. Ende April wurde dort im Nationaltheater der Film „La Isla“ des deutschen Dokumentarfilmers Uli Stelzner gezeigt. 2.000 Plätze umfasst das Theater, Tage vorher waren alle drei Vorführungen ausverkauft. Bombendrohungen wurden laut, um die Vorstellungen zu verhindern. Der deutsche Botschafter wurde unter Druck gesetzt.

„La Isla“ erzählt die Geschichte des guatemaltekischen Polizeiarchivs, das 80 Millionen Dokumente aus 100 Jahren enthält. Darunter auch aus den 36 Jahren Diktatur und Bürgerkrieg, denen Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Guatemala ist das Land der Straflosigkeit. Die Chancen, dass Verbrechen ungesühnt bleiben, sind groß. Und in dem Archiv lagern Informationen über die blutigste Repression, die manchem Politiker, Staatsanwalt oder Militär gefährlich werden könnte. 12 Millionen Akten sind gesäubert und gesichtet, die Hälfte davon bereits digitalisiert. 50 Verbrechen konnten durch das Archiv bereits aufgeklärt werden. Erstmals wurden ehemalige Militärs verhaftet und angeklagt. Ein Durchbruch in der guatemaltekischen Rechtsgeschichte. Auf dem Archiv ruht somit auch die Hoffnung vieler Guatemalteken auf ein Ende der Straflosigkeit. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

„La Isla“ erzählt die Geschichte zweier junger Männer, die die Akten sichten und scannen. Ihre Väter wurden von Sicherheitskräften ermordet und so finden sie im Archiv auch die Geschichte ihrer eigenen Familie. Die Mitarbeiter des Archivs werden deshalb von ECAP, einem langjährigen medico- Partner, seit vielen Jahren psychologisch betreut. medico finanziert dieses Programm, hat aber auch die spanische Synchronisation des Films sowie die Vorführung im Nationaltheater finanziell ermöglicht. Jetzt laufen Gespräche mit Filmverleihern, damit „La Isla“ auch in Deutschland zu sehen sein wird.

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