Schreie aus dem Lager Gaddafis: Wir sterben – Rettet uns!

Hier die Übersetzung eines dramatischen Artikels, der vor der Deportation von eritreischen Flüchtlingen  ins Ungewisse in der italienischen, sozialistischen Tageszeitung L`Unità veröffentlicht wurde

von Umberto De GiovannangeliEin verzweifelter Appell und ein Schrei zu helfen, der nicht im Leeren verhallen darf: „Wir werden an Hunger und Durst umkommen!“ 90 Personen in einem Raum wie in einer Sardinendose  eingeschlossen. Sie werden alle zwei Stunden geschlagen. Sie haben nichts um sich gegen Kälte zu schützen und die Luft ist nicht zum Aushalten. Das hartnäckige Schweigen wird nun durch das Klagen der Opfer durchbrochen. Mit dem Voranschreiten der Stunden wird es immer eindringlicher. Don Mussie Zerei berichtet unserer Zeitung von einem Gespräch, das er in der vergangenen Nacht nach 22:00 Uhr mit einem der 245 Eritreer führte, der im Flüchtlingslager von Brag, im Shaty-Tal (Südlybien, ca. 75 km von Sabah) eingeschlossen ist.

Padre Zerai von der Agentur Habesha, einer NGO, die sich um afrikanische Migranten kümmert, berichtet, was er gehört hat: „Wir werden vor Hunger und Durst umkommen, alle zwei Stunden schlagen und quälen sie uns!“
Niemand der dies liest kann sagen: Ich wusste von nichts. Auch nicht die Verantwortlichen in Italien -Stimmt’s Berlusconi? Sie haben vor zwei Jahren ein Kooperationsabkommen mit Gaddafi abgeschlossen. Dank des Padre erhält das Leiden von Menschen eine Stimme und verlangt Gerechtigkeit, ruft nach Hilfe. Der Padre fleht uns an: „Lasst uns nicht alleine! Sie sind in den Klauen einer Polizei, die sich in Folterknechte verwandelt hat.“ Über den Padre lassen sie mitteilen, dass sie, 90 Menschen, in einem stickigen Raum ohne Licht  eingesperrt sind: „Es gibt lediglich ein kleine Klappe, die etwas Luft und Licht hereinlässt, ansonsten ist der Raum dunkel.“

Er ist dunkel wie ihre Anwesenheit, dunkel wie ihre Zukunft: „Es gibt keinen Platz, um sich auszustrecken. Es ist wie in einer Sardinendose. Wir haben nichts, um uns zuzudecken.“ Padre Zarei erzählt: „Als ich in Sabah nach einer Reise von 1000 km ankam, erhielten sie etwas Wasser und etwas zu essen. Es reichte jedoch nicht für alle. Die Inhaftierten haben die Lebensmittel dann nur an die Schwächsten verteilt…“ Ein Akt menschlicher Größe, wenn man von allem beraubt ist.

02. Juli 2010

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